Schäferliedchen


Der Kaiser ist ein braver Mann,

doch leider nicht zu Haus,

und mancher gute Bürgersmann

zieht still sein Schnupftuch raus.

Und er beweint so tränennaß

den kaiserlichen Bann –

und sonst noch was und sonst noch was,

was ich nicht sagen kann.

 

Wie war sie schön, die große Zeit!

Man fühlte sich als Gott.

Man nutzte die Gelegenheit

ganz aus, bis zum Bankrott.

Der Orden reiches Übermaß

in manche Hände rann

und sonst noch was und sonst noch was,

was ich nicht sagen kann.

 

Sie standen tief im Flamenland

und tief im Russenreich.

Es herrschte dort die starke Hand;

bei Panjes galt das gleich.

Sie nahmen mit den tiefen Haß

von Weib und Kind und Mann

und sonst noch was und sonst noch was,

was ich nicht sagen kann.

 

Und das ist alles nun dahin.

Was Wunder, dass es klagt:

»Weh, dass ich ohne Kaiser bin!

Wie hat mir der behagt!«

Sie machen sich die Äuglein naß,

die Herren um Stresemann,

und sonst noch was und sonst noch was,

was ich nicht sagen kann.

 

 

Kaspar Hauser

Die Weltbühne, 20.02.1919, Nr. 9, S. 214,

wieder in: Fromme Gesänge.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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