Er verheiratet sie


Reicht mir den Kranz, reicht mir den Myrtenschleier!

Der Unschuld grünes Kränzlein tragt herbei!

So schick ich Clairen an Direktor Meyer – –

(Mitgift anbei).

 

Bedenk: Du schreitest nun ins wilde Leben!

»Zum ersten Mal« – ein schwerer Schritt, mein Kind!

Was früher war, Gott, das vergißt man eben ...

und er –

ist blind.

 

Sein Tastsinn sei ein wenig unentwickelt,

und tobt er brüllend wie ein brünstiger Leu:

dann glänzt die liebe Unschuld frisch vernickelt

so gut wie neu ...

 

So zeuch denn hin, du liebe Maculata!

Zart überhaucht von bräutlich rosa Glück ...

Ich hätt gelacht? Todernst. Wie eine Fata

Morgana verschwindest du – –

ich grüße leicht zurück.

 

 

Theobald Tiger

Aus: Fromme Gesänge.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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