Schwefel. Sulphur

Schwefel, Sulphur. Sowohl der gereinigte Schwefel, die Schwefelblumen (Sulphur depuratum s. Flores Sulphuris), als der präzipierte Schwefel, die Schwefelmilch (Lac Sulphuris) sind als ein oft benutztes Hausmittel bekannt. Der Landmann vertreibt sich mit Schwefelpulver, zwei Lot auf ein Viertelpfund Schweinefett und eben so viel grüne Seife, in Salbenform gemischt, oft sehr schnell die Krätze, — ein wirksames Mittel, welches zur rechten Zeit und richtig angewandt, ohne Nachteil hilfreich ist (s. Seife). Bei veralteter Krätze ist indessen die Salbe aus vier Lot Schwefel, zwei Lot Zinkvitriol und ein halbes Pfund Schweinefett vorzuziehen.

Einen Beutel mit pulverisiertem Schwefel gefüllt und in der Nackengrube getragen, lobt der hannoversche Landmann gegen nervöses Kopf- und rheumatisches Zahnweh; — wird ein solcher Beutel, mit drei Teilen Schwefel und einem Teil Kampfer gefüllt, und Tag und Nacht auf der Herzgrube getragen, so soll dies vor Masernansteckung schützen (Tourtual und Tott).

Der innerliche Gebrauch des Schwefels als auflösendes, gelinde eröffnendes, auf Schweiß und Harn wirkendes, schleimlösendes, den Auswurf in den Lungen beförderndes Mittel ist den gebildeten Nichtärzten wohl bekannt. Das Pulvis pectoralis Kurella (s. d.), welches den Schwefel als Hauptbestandteil hat, ist den Hypochonder ein herrliches Mittel gegen die Magenverschleimung und Hartleibigkeit, auch bei alter Gicht mit Lungenverschleimung und zähem Auswurf von guter Wirkung. Ist beim feuchten Schleimasthma der Auswurf übelriechend und zähe, so ist ein Pulver aus Schwefelblumen, Kohlenpulver und Zucker, zu gleichen Teilen, drei- bis viermal täglich einen Teelöffel voll, von großem Nutzen.

Das allbekannte Goldader- oder Hämorrhoidenpulver aus einem Teil Schwefelblumen, zwei Teilen Cremortartari und einem Teil Fenchelölzucker ist der Trost und die Zuflucht aller alten Hämorrhoidarien, wenn der Stuhlgang stockt, hart ist und die Rücken- und Afterschmerzen bedeutend sind. Hier müssen täglich mehrere Mal, vorzüglich Abends vor dem Schlafengehen, ein bis zwei Teelöffel voll von diesem Pulver genommen werden, bis gelinder Durchfall folgt. Außerdem muss der Kranke täglich fünf bis zehn Maß frisches, kaltes Wasser trinken und die Spirituosa vermeiden.

Beim Stockschnupfen und hartnäckigem Brustkatarrh ist ein Pulver aus: Schwefelblumen ein Lot, Anisölzucker ein halbes Lot, Süßholzwurzel und florentinische Veilchenwurzel, von jedem drei Quäntchen, sehr zu empfehlen. Man nimmt alle zwei Stunden einen Teelöffel voll mit Zuckerwasser. Auch ist dieses Pulver allen jenen Personen, welche sich mit dicken Schleimpfröpfen in der Nase, im Schlunde und den Choanen quälen müssen, sehr nützlich. Hier ist es schon hinreichend, wenn dreimal täglich ein Teelöffel voll genommen wird.

Die natürlichen Schwefelquellen in Eilsen, Nenndorf und an anderen Orten waren vor ihrer Einrichtung lange Zeit schon dem Landvolk der Umgegend als heilsam gegen Gicht, Hautausschläge: Krätze, Kopfgrind, Flechten u. s. w. bekannt (s. Osiander l. c. p. 561). Ja, diesem Umstand kann man es oft allein zuschreiben, dass die Ärzte durchs Volk auf solche Quellen erst aufmerksam gemacht wurden, ehe sie zu Gesundbrunnen eingerichtet wurden. — Die künstlichen Schwefelbäder mit Zusatz von Kochsalz, empfiehlt Osiander (l. c. p. 272) zur Nachkur der Gelbsucht, auch gegen langwierigen Katarrh, — den Schwefeldunst von Schwefelleber zur Mäßigung des Hustens und Beförderung des Auswurfs bei Hektischen (l. c. p. 78).


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