Die überlegene Wirkung unserer Gase


der deutschen:

  

der englischen:

Wien, 27. August. Wien, 27. August.
   

Berlin, 25. Febr. (Wolff.) Der Aufruf des Genfer Roten Kreuzes mag von gutem Willen eingegeben sein. Er rechnet aber nicht mit den Tatsachen. Selbstverständlich ist die Anwendung jedes Kampfmittels zu verwerfen, das überflüssige Leiden schafft. Das tut das Gas aber nicht. Es ist vielmehr ein Kriegsmittel geworden, das wie andere den Gegner außer Gefecht zu setzen sucht — — Wäre es nicht ein unverantwortliches Versäumnis der deutschen militärischen Behörden gewesen, wenn sie nicht auch ihrerseits dieses Kampfmittel entwickelt hätten? — — Für den Schwächeren wird also die Propaganda gegen die betäubenden Gase ein willkommenes Mittel zu dem Versuch sein, dem Stärkeren eine wirksame Waffe aus der Hand zu schlagen. Es wird behauptet, militärische Kreise der Entente stehen dem Aufruf sympathisch gegenüber. Sollte das nicht ein Zeichen für die überlegene Wirkung unserer Gase sein? — — Wir Deutschen begrüßen alle Versuche, dem Völkerrecht und der Menschlichkeit zum Siege zu verhelfen, mit Freude, wir lehnen es aber ab, uns übertölpeln zu lassen. Der Entwicklung der Angelegenheit sehen wir mit Ruhe und gutem Gewissen entgegen.

 

London, 25. Februar. (Reuter.) Im Unterhaus fragte ein Abgeordneter, ob etwas Wahres an der Meldung sei, dass die deutsche Regierung durch neutrale Kanäle die Anregung gegeben habe, dass der Gebrauch von giftigen Gasen verboten werden sollte, und ferner, ob und welche Stellung die englische Regierung zu diesem Vorschlag einnehmen wolle.

Minister Bonar Law antwortete, dass die deutsche Regierung keine derartige Anregung, gleichviel in welcher Weise, gegeben habe. Ein anderes Mitglied fragte an, ob Bonar Law endgültig erklären wolle, dass die britische Regierung während des Krieges auf die Verwendung giftiger Gase nicht verzichten wolle, und ob es nicht Tatsache sei, dass England bessere Gase und bessere Schutzmaßnahmen gegen die deutschen Gase besitze, was der Grund für ihre Beschwerde sei.

Minister Bonar Law entgegnete, er wünschte ebenso wie der Vorredner davon überzeugt sein zu können, dass falls die Deutschen jemals einen solchen Vorschlag machten, sie dies nur tun würden, weil sie glaubten, nicht ein besseres Gas zu besitzen. Er sei aber nicht sicher, dass es sich nicht bloß um einen Akt der Täuschung handelt.


Wie man sieht, sind die Gase einander überlegen. Die links aber wirken wohl noch mit einer größeren Kraft der ehrlichen Überzeugung. Ein Gas ist doch kein Gift? Und wäre es eines, und das allerfurchtbarste, so schafft es doch gewiß keine überflüssigen Leiden, indem es ja den Gegner sofort außer Gefecht setzt. Denn wir Deutschen wollen nichts anderes, als dem Völkerrecht und der Menschlichkeit — na was denn nur, nun ja: zum Siege verhelfen. So haben wir denn das Kampfmittel entwickelt und sehen der Entwicklung der Angelegenheit, also der Entwicklung unserer Gase mit gutem Gewissen entgegen.

 

 

Mai, 1918.


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