Ein Hochschulprofessor


Aus Zürich mitgebracht:

Elt für Elektrizität. Ein Hochschulprofessor schreibt uns: »Elt als Abkürzung für Elektrizität ist, wie wir aus verschiedenen Schriftstücken ersehen, neuerdings bei verschiedenen Aemtern üblich geworden. Man sagt nicht mehr »Elektrizitätswerk«, sondern kurz »Eltwerk«. Es kann nicht geleugnet werden, dass diese Abkürzung sich sehr bequem schreibt und spricht, man kann viel leichter Elt als Elektrizität sagen. Man probiere es nur einmal. Wenn man bei einer Unterhaltung zehn- oder zwölfmal Elektrizität sagen soll, fällt es einem schließlich schwer. Bei der Abkürzung Elt dagegen ist man zu einem an Buchstabenzahl genau gleich kurzen Wort gekommen wie beim Gas.«

Über den hätte sich Schopenhauer gefreut. Zumal wenn er den Weltkrieg und die Gleichzeitigkeit solchen Sprachdenkers erlebt hätte. Es ist zwar noch niemandem eingefallen, bei einer Unterhaltung zehn- oder zwölfmal Elektrizität zu sagen, aber Elt ist, wie nicht geleugnet werden kann, kürzer und nachweisbar um keinen Buchstaben länger als Gas. Wenn man es zehn- oder zwölfmal sagt, hat man umso mehr Buchstaben und Zeit gespart, was ja die Elt- und Gasersparnis wieder wettmachen könnte. Man probiere es nur einmal! Die Elektrizität geht aus und man verspürt einen Kurzsdiluß. Im Finstern kann man nicht unterscheiden, ob der Kerl ein Elektrotechniker ist oder nur ein Linguist.

 

 

Oktober, 1917.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 15.01.2007 
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