Der Hias


... In einer Anfang Mai 1916 m München zur Zeit der dortigen Aufführung des »Hias« stattgefundenen Versammlung des Vereines »Deutsche Wacht« führte der Vorsitzende der literarischen Gesellschaft »Der neue Verein«, Rechtsanwalt Dr. W. Rosenthal, über die Aufführung dieses Stückes folgendes aus: »Nach meiner Empfindung ist dieses Stück eine grobe Geschmacklosigkeit, die Menschen von gutem Geschmack in hohem Grade verletzen muß, wenn ein solcher Hintergrund, wie eine französische Kriegsgerichtssitzung verwendet wird, um darauf die gewöhnlichsten Wirkungen aufzubauen. Im zweiten Akt wird als Haupteffekt ein grunzendes Schwein über die Bühne geführt, wobei ein großer Teil des Publikums hell aufwiehert, der andere Teil seinen Ingrimm verbeißen muß. Man muß sich vorstellen, wie es auf uns wirken müßte, wenn etwa eine deutsche Kriegsgerichtssitzung in französischer oder englischer Sprache in ähnlicher Weise behandelt würde ... Polizeipräsident v. Grundherr bemerkte, er sei dankbar, dass der Vorredner die Sache zur Sprache gebracht habe. Er habe dadurch Gelegenheit, zu erklären, dass er, leider vergeblich, alles getan habe, um die Aufführung zu verhindern ...

Und deutsche Aristokratinnen haben mitgewirkt. Und: »Dieser Akt ist vom Publikum beklatscht worden, wie dies noch keine Kunstleistung erfahren hat.« Und »Kein Zweifel, der boarische Hias wird überall herzhaftem Verständnis begegnen — jenem stillen, behäbigen, guten Lächeln, das so sehr die Seele erwärmen kann.« Und es war eine große Zeit.

 

 

Januar, 1917.


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