Das kann in England nicht ohne Eindruck bleiben


Welcher Satz wird am längsten durchgehalten haben? Welchen haben wir täglich, abendlich gehört, vom ersten Tag an bis zum letzten, ohne Unterbrechung, immer mit dem Tonfall des aufgeregten Bankrotteurs, der uns Stumpfe damit beruhigen will, dass der andere auch nichts zu lachen hat? Die Kriegsjahre schlichen dahin, wir welkten, wir hatten Habe und Hoffnung verloren — der Satz war uns erhalten:

 

»Das kann in England nicht ohne Eindruck bleiben.«

Nein, noch ist uns das letzte Vertrauen geblieben, das in die Tragweite des Wortes. Von diesem Wort muß die Welt endlich bewegt werden, es hieße das Grauen ins Unvorstellbare steigern, wenn nicht plötzlich eines Tages jene dort das, was wir ausgehalten haben, unerträglich fänden und riefen: »Ihr Ärmsten müßt täglich, abendlich einen Satz hören, der euch an Nahrungsstatt gegeben wird, aber so zum Halse herauswuchs, dass wir es endlich merken und nachgeben, weil wir diesen Ton nicht auszuhalten vermögen!« So werden sie sprechen und jenner wird es erreicht haben und es wird wieder Ruh sein. Denn es kommt in allen Dingen darauf an, wer es länger aushält. Und wenn es an jedem Morgen seit Kriegsbeginn im Gemäuer der Entente zu rieseln beginnt und sich jeden Abend bereits ein Rückschlag auf die Stimmungen zeigen muß, so braucht man nur nicht locker zu lassen, und die dort werden sich verflucht umsehn. Denn das kann in England nicht ohne Eindruck bleiben!

 

 

April, 1917.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 15.01.2007 
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