C. J. H. Hayes, ›Nationalismus‹


Der Nachttisch wird viel zu klein für die vielen, vielen Bücher ... ich werde mir einen neuen kaufen müssen (ohne Schublade).

Da hätten wir: ›Nationalismus‹ von C. J. H. Hayes (erschienen im Verlag Der Neue Geist zu Leipzig). Hayes ist Professor an der Columbia-Universität in Amerika, und das merkt man. Das Buch hat eine bewundernswert gute These als Fundament, aber was auf dieser These aufgebaut ist, ist weniger schön. Und sehr gut untermauert ist der Laden auch nicht ... Hayes unterscheidet trefflich das legitime Heimatsgefühl von der Massenepidemie des Nationalismus; er erkennt auch dessen Rolle als Religionsersatz des zwanzigsten Jahrhunderts richtig; er sieht, wie die »Massen unter dem Zauber des Nationalismus ihre Führer weniger kritisieren und eher geneigt sind, in wirtschaftlichen Dingen den status quo anzunehmen. Auf die Menge wirkte der Nationalismus unter Umständen wie eine Art Lachgas. Wenn man einen Arbeiter dazu bringen konnte, es recht tief einzuatmen, so fühlte er sich dadurch erheitert und vergaß jedenfalls eine Zeitlang, dass er in der Fabrik ... für viel Arbeit schlecht bezahlt wurde ... Im Traum nationaler Größe übersah er, wie schmutzig in Wirklichkeit seine eigene Wohnung aussah.« Bravo!

Aber es ist ein mit glatter Goldfeder geschriebenes Buch; die Amerikaner, so intolerant und reaktionär sie sonst sind: diesem Professor werden sie nichts tun. Denn es ist ein ungefährliches Buch, also ein zweitrangiges Buch. Folgerungen werden nur zaghaft gezogen; der tut keinem etwas. Der Verfasser – steht in der Einleitung – »hat den Krieg als Hauptmann beim amerikanischen Generalstab mitgemacht«. Na, dann ist ja alles in schönster Ordnung.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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