›Klassischer Journalismus‹, Hrsg. Egon Erwin Kisch


Gehn ma weiter, wie der böhmische Fremdenführer zu sagen pflegte. Da hat sich in die neuen Besprechungsexemplare ein alter Band eingeschoben, den ich immer wieder zur Hand nehme, weil er so gut und so sauber gearbeitet ist. Nun weiß ich nicht, ob man ihn noch kaufen kann – das weiß man bei den Verlagen nie so genau ... ›Klassischer Journalismus‹, Die Meisterwerke der Zeitung, gesammelt und herausgegeben von Egon Erwin Kisch (erschienen bei Rudolf Kaemmerer, Berlin). Wenn es den noch gibt, oder ihr erwischt das – obgleich ich nicht hoffen will, dass man es dort erwischen kann – auf einem Bücherwagen: dann aber nichts wie hin. Das ist eine Fundgrube. Kisch hat die unbekanntesten Seiten bekanntester Autoren zusammengetan und brillante Arbeiten unbekannter Autoren, und allen gemeinsam ist die herrliche Wildheit des Tages: »Jetzt oder nie! Morgen sind wir alle tot!« Zeitung im besten Sinne. Dreimal gelesen: den Aufsatz von Borne über Johann Wolfgang von Possart, Geheimbderath zu Weimar. (Ja, das war er nämlich auch – das vergessen wir zu leicht. Sollte man aber doch nicht. Bei aller Verehrung: man sollte nicht.) Und Helferich Peter Sturz und ein paar prachtvolle Aufsätze von Ernst Moritz Arndt, Herrschaften, wie haben sie uns die guten deutschen Patrioten verfälscht! Es ist wirklich eine Schande. Kisch hat da etwas sehr Gutes gemacht – ich möchte es jedem Journalisten zu Weihnachten schenken.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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