Herr und Frau Wichtig lassen zu Tisch bitten!


Ein wahrhaft menschliches Dokument. Höchst anziehend und frei von jeglicher Prüderie ist es der bemerkenswerteste Beitrag zur ernsten Literatur unserer Gegenwart.

G. B. Shaw über Clare Sheridan

 

Die Motte ist ein bescheidenes Tier, denn sie frißt nur Löcher.

Kinderaufsatz


In den Tagen des Kapp-Putsches stießen wir auf einen Mann, der schon immer das Vergnügen S.J.'s gebildet hatte. Es war ein Arzt, aber er arztete wohl nur in seinen Mußestunden – in den Arbeitsstunden hatte er es mit der großen Politik. Einmal hatte er aus seiner Brusttasche ganz nonchalant einen Bogen Papier herausgezogen und so leicht dahingesagt: »Da schreibt mir der Lord Kilmarnock ... « und seitdem nannte ihn S. J. nur noch den Lord Kilmarnock. Als ich damals Siegfried Jacobsohn vormachte, wie der Lord, während Kapp Berlin besetzt hielt, Minister ab- und wieder einsetzte und einigen von uns beim Abschied nachrief: »Meine Herren, vergessen Sie mir nicht, dass Kühlmann Außenminister werden muß!« da lachte er so, wie nur er es konnte, aber lange nicht so, wie jener es verdiente. Der Lord ist keine Einzelerscheinung – er ist ein Typus.

Der Typus einer ganzen Gattung, der zum Beispiel Clare Sheridan angehört, von der ein dickes Büchlein vorliegt: ›Ich, meine Kinder und die Großmächte der Welt‹ (erschienen bei Paul List in Leipzig). Carl von Ossietzky hat neulich davon gesprochen. Wollen wir auch mal –?

 

Die Frau entstammt der englischen Aristokratie, hat einen Börsianer geheiratet, der als Freiwilliger gefallen ist; sie hatte Kinder von ihm und konnte ein bißchen bildhauern, ein bißchen schreiben, ein bißchen reisen – und als es mit dem Geld nicht mehr so recht klappte, da warf sie diese drei Unfähigkeiten zusammen und begab sich als bildhauernde Reporterin auf die Wanderschaft. Soweit gut. Was aber aus diesem Buch herausspringt, ist ein Schulfall: die internationale Motte der Diplomatie.

Das Buch ist von einer Ungeheuern Prätention – ich weiß aber nicht, um mich eines wiener Ausdrucks zu bedienen: »worauf herauf«. Sein Humor scheint mir mehr unfreiwillig zu sein: »Es gab nur eine Lösung für mich, ein Kind zu haben, vielleicht auch mehrere, um so die Leere auszufüllen. Aber solche Dinge lassen sich leider nicht kommandieren; und was wir auch immer versuchten: unsere Bemühungen blieben erfolglos.« Hast du was gesagt? Ich habe nichts gesagt. Als der Mann gefallen ist, setzt sie sich mit ihm auf dem Wege des Tischrückens in Verbindung – und als es dem gequälten Geist zu dumm wird und er auf eine Bemerkung von ihr: »Das ist doch Blödsinn!« tischrückt, da ist sie böse – »eine Antwort, die mich, in Gegenwart von Dick, so beleidigte, dass ich niemals wieder zu einer Sitzung ging«. So fein geht es in England zu, wo es die Geisterwelt nicht leicht hat.

Dabei ist ihr Gatte, der Kaufmann, ein anständiger und aufrechter Mann gewesen – sie deckt einmal blitzschnell das Verhältnis des Weibes zum Militär in diesem einen Satz auf: »So sehr ich auch den Militärberuf verabscheute, den Soldaten mochte ich gern« – und als er gefallen war, da fand sie in seinem Schreibtisch einen Brief, der zu dem Schönsten gehört, was ich als Äußerungen von Männern kenne, die ihren Tod vor Augen sehen. Sie hat ihn nie verstanden.

Sie geht also auf Reisen – zuerst auf Einladung von Krassin nach Rußland, dann nach den Staaten, dann nach Mexiko, dann nach dem aufständischen Irland, dann nach Smyrna, nach Thrazien, zu Mussolini, wieder nach Rußland ... und hat keine Ahnung eines Schimmers einer Idee, was sie da zu sehen bekommt, weiß nicht, wo Gott wohnt, kennt nichts und hat nichts gelesen; ist ungebildet bis in die abgegriffenen Tauchnitzphrasen ihrer Schilderungen und bis in die Spitze ihres Füllfederhalters ein armes Luder. Sie ist die Gräfin Kilmarnock. Was in diesen gänzlich inhaltlosen Schilderungen, die unfehlbar am Wichtigen vorbeischießen, sofort auffällt, ist der unablässig wiederholte Hinweis auf die »guten Beziehungen«. Nun ergeben sich die zwanglos: die Frau ist ja keine Vertreterin der berliner ›Mittelvolée‹, sondern eine englische Aristokratin, sie kennt die große Welt wirklich. Aber welcher Horizont!

Es ist auf der ganzen Erde ein Diplomatensnobismus ausgebrochen, der nur dadurch zu erklären ist, dass die Höfe heute nicht mehr die Rolle spielen wie ehemals, und dass die Eitelkeit der höheren Gesellschaftsklassen einen Kern haben muß, um den sie sich kristallisieren kann. Aus welchen Gründen sie sich grade die Diplomatie ausgesucht haben, ist schwer und leicht verständlich.

Schwer: Der Diplomat ist ein Beamter – genau wie der Leiter eines Finanzamtes, wie ein Oberpostdirektor, wie ein Studienrat. Seitdem Staatsmänner hier und da auch das Telefon benutzen, vor allem aber, seit es Genf gibt, ist die wirkliche Rolle der Botschafter auf ein Minimum reduziert; sie sind gar nicht mehr so sehr wichtig. Es sind, sieht man von ihrem Personalstunk ab, Briefträger finanzieller Beschlüsse – die Politik wird nicht mehr in den Botschaftssalons gemacht, sondern auf der Börse, bei der Schwerindustrie, in den Trusts, in den Winzer- und Grundbesitzerverbänden – unter der Begleitmusik der Presse; der Botschafter sagt meistens nur: »Papa läßt fragen, ob Herr Briand morgen zu Tisch kommen wollen –?« Und dann sagt Briand: »Ah – ces chancelleries!« und kommt, mit der Zigarette im Mundwinkel, und der Botschafter glaubt, er habe das alles gemacht und bewirkt, und sieht nichts und hört nichts und fühlt nichts. Denn sie spüren gar nicht das fremde Land – sie sehen nur sich. Es ist eine sehr geschäftige, eine sehr repräsentative Nichtstuerei.

Hier hinein platzt nun die Frau Sheridan. Das pompöse Dummchen kann es gar nicht fassen, dass sich ein ›richtiger‹ Botschafter um sie bekümmert, und darin ist sie nicht allein: um Genf und um alle Gesandtschaften der Welt fliegen solche Motten, nur nicht so geräuschlos wie die braven, löcherfressenden Tiere. Denn den Diplomaten haftet noch immer die Reputation Talleyrands an, mit dem sie gewiß auch nicht mehr das leiseste gemein haben – alle Welt aber lauscht ihren weisen Kalendersprüchen und überschätzt geschmeichelt die Kasperlerevuen, die jene aufführen. Alte Romanvorstellungen tauchen auf ... »Der Graf schwieg diplomatisch.« Wenn aber ein Diplomat schweigt, so sagt er immer noch etwas mehr, als er über die Sache weiß, und was hier um die Diplomaten getrieben wird, ist eine fast religiöse Verehrung des Staats.

»Washington hatte für mich interveniert«, schreibt Frau Sheridan einmal – darin erzittert der Respekt vor der Macht, vor den Kriegsschiffen, vor dem Volk ›Amerika‹, dessen Millionen ihr dadurch anscheinend zu Füßen liegen. Und hier ist der Punkt, wo der gradezu lächerliche Götzendienst an der Diplomatie leicht verständlich wird.

Hätten die Diplomaten keinen Diplomatenpaß; wären sie denselben Zoll- und Paßschikanen ausgesetzt wie wir alle; wären sie nicht exterritorial und könnten sie nicht ihren Schützlingen manche Vorteile verschaffen, die jene nicht anzunehmen schön dumm wären –: der Nimbus legte sich rasch. Frau Sheridan aber ist allen Ernstes der Meinung, dass der sowieso bös strapazierte Apparat des Staates nur dazu da sei, ihre Reisen zu erleichtern. Und das tut er ja denn auch.

Im übrigen badet sie in einem Schaumbad geschmeichelter Eitelkeit. »Die Ratstagungen (in Genf) waren interessanter, weil sie die bedeutendsten Persönlichkeiten abseits der Herde zusammenführten.« Soweit eine aus der Herde. Nun ist Genf ein Kapitel für sich – wenn mir doch nur einmal einer sagen könnte, was es denn Ehrendes haben soll, mit Chamberlain oder Woldemaras oder Hermann Müller zu Abend zu essen ... ! Ja, da lachste – weil du Hermann Müllern kennst; bei Briand und Hoover aber geht ein Schauer durch das bürgerliche Gebein, und dieser fatale Snobismus schielt in Wahrheit immer auf den, der nicht dabei ist. »Das sind die, mein Lieber, von denen du jeden Morgen in deiner Zeitung liest! Ich aber speise mit ihnen!« Davon machen sie sich einen Sonnabend, Herr. Es ist sicherlich viel aufschlußreicher, mit einem mittleren Beamten bekannt zu werden, der klug und gebildet ist, als mit Churchill, der sich schwer hüten wird, beim Tee etwas andres zu tun als zu sprechen – sagen wird er gewiß nichts. Und was ist denn das für eine Heroisierung kaufmännischer politischer Angestellter, die als Beamte vom Staat ihr Geld bekommen! Wer von denen führt denn wirklich? Vielleicht die Diktatoren – aber auch die sind doch gewiß so geölt, so routiniert, so in der Pose der halben Natürlichkeit erstarrt, dass es wahrscheinlich langweilig ist, sie zu sehen. Gewiß aber ist es nicht ehrend, wie uns das hundert und aber hundert kleine Schreiber, protzende Chefredakteure und die Vertreter jener Nebendiplomatie vormachen wollen, die nichts sind und daher etwas brauchen, woran sie sich emporranken, die sauren Weinstöcke. Die Zahl der Frauen, die in diesem Artikel reisen, ist sehr groß: sie schütteln den Federhalter, und, wenn das nichts fruchtet, das Köpfchen, und, wenn das nicht zieht, den Rest. Und dann schreiben sie – die nackte Wahrheit? Die Wahrheit im Pyjama.

Und je bürgerlicher und kleinbürgerlicher sie sind, um so toller überschlägt sich dieser Diplomatenfimmel, der den gerissenen, aber nicht sehr intelligenten Beamten eine Folie gibt, die in direktem Verhältnis zu ihrer Bedeutungslosigkeit steht. Sie sind nicht das Volk – will das Volk in Wahrheit von denen vertreten sein, die es vertreten –?

Herrgott, Frau Sheridan ist ja auch noch da. Sie dehnt sich also wohlig in den diplomatischen Salons, »elle se gobe« – schade, dass man das nicht übersetzen kann ... sie frühstückt und lächelt und abendbrotet – allemal bei Vertretern einer Gattung, deren einer, ein Deutscher, einmal auf dem Balkan zu einer andern Engländerin gesagt hat: »Gnädige Frau, kommen Sie doch morgen zum Lunch! Wenn es Ihnen nichts ausmacht, so wird auch noch ein deutscher Schriftsteller da sein!« Und der Schriftsteller ist da gewesen und hat sich gewiß hoch geehrt gefühlt ...

Frau Sheridan begann ihre Karriere damit, dass sie Lenin abkonterfeite. Ihre Schilderung Rußlands hat etwas Erschütterndes: ein Spatzengehirn, das uns einen Vortrag über die Relativitätstheorie hält, ahnungslos, ganz und gar borniert – sie fühlt nicht, wer da sitzt; ist neckisch, scherzt mit Trotzki, alle sind sehr höflich zu ihr, fressen sie nicht, von anderm zu schweigen – und als sie aus Rußland wieder zu den gesitteten Völkern heimkehrt, da merkt sie, welch Schauer sie plötzlich umgibt, Jeanne de Moscou, nun arbeitet sie mit diesem Schauer und sagt, dass Mussolini »die Bolschewistin« empfangen habe. Dabei löst sich der ganze Bolschewismus sofort in Puder auf, als sie das zweite Mal nach Rußland fährt. Enttäuschung auf der ganzen Linie. »Worin bestanden nun eigentlich die seit meinem ersten Besuch eingetretenen Veränderungen?« Die Russen haben inzwischen erkannt, wen sie sich da eingeladen haben, sie sagen ihr das auch ziemlich unverblümt, und nun ist Rußland auf einmal kein Land mehr für anständige Korrespondenten. »Die Details der proletarischen Regierung, Statistiken, Wirtschaftliches interessierten mich herzlich wenig, Im Grunde war ich stets mehr Künstlerin als Politikerin gewesen: doch eingedenk meiner journalistischen Pflicht suchte ich den Dingen auf den Grund zu kommen. Aber alle Mühe war erfolglos.« Und der Grund lag doch so nah an der Oberfläche ... !

Das ist diese Sorte, die den Journalismus auf Grund einer gesellschaftlichen Stellung mißbraucht – das will den Verlagen imponieren und den Interviewten und den Lesern, eine parfümierte Schmutzkonkurrenz, auf die leider noch viel zu viel Leute hereinfallen. Nicht, dass es gut gepflegte Damen sind, ist das Unglück – das wäre ja sehr angenehm; dass sie aber zwei Dinge miteinander vermengen, die nichts miteinander zu tun haben: dass sie nämlich ihre Unfähigkeit mit ihren Pelzen zudecken, ist hart. Es ist jener Typus, der sich in weitem Umkreis mit allem Vorhandenen mausig macht – er gedeiht besonders in Österreich, wo die Superlative wild wachsen. »Mein Freund Jörn Knaag in Kopenhagen ... « »Mein Freund Realy Fuck in London« und »Herr Jean Branlon, der beste Pianist von Frankreich, ein sehr guter Freund von mir« – und es ist kein Freund, und er ist auch nicht der beste Pianist, und es ist alles nicht wahr. Schmock in Schlüpfern.

Frau Sheridan macht sich so niedlich, wie sie gar nicht sein kann. »A. P. Sinnet, mein alter Freund von der Theosophischen Gesellschaft ... behauptete, herausgefunden zu haben, dass ich in einem frühem Dasein einmal eine Bildhauerin gewesen wäre ... « Wie nüdlich! Am Schluß gibt es eine »Vision in der Wüste« – wo an der reizenden Künstlerin und an dem geplagten Leser die Gestalten ihres Lebens vorbeiziehen – da kannst du was erleben! Sie spricht zu ihnen – zu Lenin zum Beispiel so: »Du siehst« (sie duzen sich), »du siehst, ich war doch keine solche Bourgeoise wie du glaubtest!« Und Lenin? »Er wendet sich her und lächelt: ›Verzeihen Sie, ich war so überarbeitet!‹« Ein wohlerzogener Revolutionär.

Kommt hinzu, dass Frau Sheridan eine elende Journalistin ist, die auf ihren langen Reisen nicht einmal ihr Handwerk gelernt hat. Berlin während der Inflation: »Berlin war damals nahezu russisch. Ein von Bäumen gesäumter Kanal, in dessen Wasser sich nachts ... (geschenkt) –, bildete die Grenzlinie zwischen der deutschen und russischen Hälfte.« Das ist einfach falsch: die Grenadierstraße zum Beispiel liegt jenseits dieses Kanals, und sie stak voller russischer Juden, sie liegt, wenn man sich umwendet, diesseits, und Charlottenburg stak voller Russen – eine schlechte Journalistin, unaufmerksam wie Béraud.

Nein, es ist nichts mit ihr. Es gibt geniale Journalistinnen, wie Larissa Reissner, – Clare Sheridan ist keine von ihnen. Aber sie kann ein Verdienst für sich in Anspruch nehmen.

Sie zeigt uns einmal klar und deutlich, vor welcher Galerie sich das abspielt, was man ›Diplomatie‹ nennt, und sie zeigt uns, ohne es zu wollen, wie maßlos es überschätzt wird. In allen Großstädten der Welt – und besonders in Berlin – wälzen sie sich vor Verzückung vor den ›Regierungskreisen‹ auf dem Boden; sie lassen das Wort ›revirement‹ auf der Zunge zergehen, sie kippen zwar nicht aus den Pantinen, aber sie gleiten aus den Pumps, und auf alle Fälle werfen sie sich voller Wonne vor den mächtig dahinrollenden Tank des Staates. Und wer sitzt darin –?

Darin sitzt eine Beamtenschaft, die ihre Arbeit mäßig tut, weil sie durch Äußerlichkeiten bis zur Faulheit abgelenkt ist. Wären diese Diplomaten, die Spitzen der Behörden, die Parlamentarier und die Leute von den Auswärtigen Ämtern nicht so mit Wichtigkeit geladen; hätte das nicht alles diesen fatalen Klang der großen, leider nicht komischen Oper; wäre diese Repräsentation nur ein Zusatz und nicht ein Ersatz der Arbeit, so wäre es nur lächerlich. Aber wie gefährlich ist das!

Der Zwang zur Repräsentation kostet Geld, und zwar sehr viel Geld. Der frühere Personalreferent des Auswärtigen Amts, der Graf Wedel, berechnete einmal, dass das für eine diplomatische Karriere nötige Vermögen etwa vierundzwanzigtausend Mark jährliche Renten abwerfen müsse, und damit mag er ungefähr das Richtige getroffen haben. Wer zahlt das –? Der Staat? Er denkt gar nicht daran; er weiß, dass es bei seinen Gehältern nicht möglich ist, ›standesgemäß‹ aufzutreten – und so ist die Karriere fast allen jenen verschlossen, die nur Verstand, aber kein Kapital, keinen Grundbesitz und keine Eisenhütte hinter sich haben, verschlossen also allen jenen, für die nicht andere arbeiten. Und so sieht denn auch die Belegschaft aus.

Niemand wird verlangen, dass die Vertreter der Deutschen Republik (die sich übrigens fast niemals so zu nennen wagen) in einem sechstrangigen Hotel wohnen oder bei Aschinger Bockwurst essen sollen. Aber warum dieser Hofersatz? Wozu dieser Wetteifer, einen Pomp zu entwickeln, der den Industriekönigen abgeguckt ist und an Versailles erinnern soll, während er doch nur an Wallstreet gemahnt?

Drum herum glitzernde Augen, gebogene Rücken und eine Kohorte von ›schönen Frauen‹, wie der Ballbericht sagt; alles ist geehrt und geschmeichelt, und nachher wundern sie sich, wenn die Diplomaten, in sanftem Größenwahn, sich und ihre Rolle derart sinnlos überschätzen, dass sie noch weniger arbeiten, als nötig wäre. Den Schaden trägt das Land.

Den Schaden tragen wir, die wir glauben, dass die Rolle eines tüchtigen Feuerwehrhauptmanns grade so wichtig ist wie die eines Attachés, an dem nicht viel zu bewundern bleibt, wenn man einmal von den Zwangsvorstellungen absieht, denen die Sheridans aller Welt unterliegen. Denen mögen jene den Kopf verdrehen und das andre. Wir aber lachen über den Versuch, die Hohlheit des Baal mit göttlicher Anbetung, Weihrauch und Feuilletons zu umnebeln. Diese internationale Konfektion verdient aufmerksamste Kontrolle, aber keinerlei Verehrung eines Parketts, das sich in der Bewunderung von mäßigen Beamten selbst bewundert, geblendet von sich selbst, eine Spiegelgalerie der Eitelkeiten.

 

 

Peter Panter

Die Weltbühne, 08.01.1929, Nr. 2, S. 45.





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