Bernard Grasset, ›Die Angelegenheit der Literatur‹


Gehn ma weiter. Da schickt mir ein neuer Mann, Ernst Gieser aus Berlin-Zehlendorf, die von ihm herausgegebenen Bändchen seines Verlages ›Editeufra‹, Editio Teuto-Franka ... Hm. Ein indiskutables ›Tagebuch eines Dobermanns‹; unbrauchbare ›Bemerkungen über die Tat‹ vom pariser Verleger Bernard Grasset; und dann ein recht interessantes Bändchen, ebenfalls von Grasset: ›Die Angelegenheit der Literatur‹. (Aber viel zu teuer – was macht ihr denn da! 7,50 für 126 Seiten!) Wenn, was ich hier auf meinem schwedischen Nachttisch nicht feststellen kann, im französischen Text ›L'Affaire de la Littérature‹ steht, dann ist der Titel ebenso unzulänglich übersetzt wie das ganze Buch. Auch heißt ›Publicité‹ gewiß nicht ›Publizität‹ sondern in diesem Zusammenhang schlichtweg ›Propaganda‹ – diese Übersetzung stuckert über den Plötz und alle französischen Grammatiken der Welt. Was Herr Grasset, dessen Fotografie für 7,50 beigegeben ist, uns zu sagen hat, ist nicht immer sehr belangreich, im Deutschen wenigstens nicht, wo die leichte Nettigkeit des französischen Zeitungsstiles wegfällt. Man wünschte sich mehr Fakten und weniger Aperçus, die mitunter etwas napoleonhaft anmuten. Manchmal hat er Humor. »Wenn Sie auf einige malerische Einzelheiten gespannt sind, kann ich Ihnen verraten, dass Männer ihr Manuskript flach anbringen und Frauen gerollt. Warum? Bisher ist es mir noch nicht gelungen, diese Frage zu klären, und ich überlasse sie Ihnen zu nachdenklicher Betrachtung.« Manchmal hat Grasset, der Papa Radiguets, Witz, mitunter auch keinen – und das Wichtigste über diese ›Angelegenheit‹ steht nicht im Buch. Denn grade die Begriffe, die sich in dem Wort ›affaire‹ kreuzen (Sache und Geschäft) sind nicht gut gegeben – am besten noch an der Stelle, wo er das Verlegergefühl beschreibt: »Ein besonderes Gefühl, das die echten Verleger kennen: das Gefühl für die Sache, die man nimmt.« Das ist gut. Sonst aber stehen viele runde Sätzchen (französisch: des phrases) darin. Nun, vielleicht entwickelt sich dieses verlegerische Verständigungswerk noch; vorläufig ist da nicht viel.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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