Edgar Ansel Mowrer, ›Amerika, Vorbild und Warnung‹


Das richtige Amerika sieht nun anders aus, als es bei Kafka visionär erscheint. Wie es aussieht, sagt uns Edgar Ansel Mowrer in seinem ›Amerika, Vorbild und Warnung‹ (bei Ernst Rowohlt zu Berlin erschienen). Das Positive darin erscheint mir nicht so stark wie das andere – Mowrer ist eine helle Intelligenz, die sehr scharf brennt, nicht immer sehr weit leuchtet. Er ist ein europäisierter Amerikaner von höchster Kultur, ein Mann von einer selten umfassenden Bildung – und am besten ist er da, wo er Europa und Amerika vergleicht und Amerika schonungslos schildert. Da ist dieser Hohn, wie er nur unter Verwandten üblich ist – die Ironie der genauen Kenntnis, das Urteil von innen her. Der berliner Amerika-Taumel hat sich ja zum Glück etwas gelegt, und was in diesem Buch Europen an Provinzialismus vorgeworfen wird, sollten sich unsere Staatsmänner hinter die Ohren schreiben – wenn sie bis dahin nicht alle vor Wichtigkeit geplatzt sind. Die Beschreibungen amerikanischen Lebens sind allerersten Ranges – was fehlt, ist eine Synthese, aber dafür ist es sicherlich viel zu früh. Nicht bei Mowrer fehlt sie – das Land hat sie nicht. Ein Buch, aus dem man viel lernen kann.

Ob die Amerikaner mit ihm einverstanden sind, soll uns nicht kümmern – wir haben sowieso viel zu wenig europäisches Selbstbewußtsein, und ich habe noch nie gehört, dass einer einem Amerikaner einmal freundlich und bestimmt sagt: »Das mag sein, dass dies oder jenes bei Ihnen drüben so ist, wie Sie es sagen. Bei uns ist das eben anders.« Dazu gehörte Charakter – denn der Amerikaner will gelobt sein und steinigt seine Tadler. Wir nicht –?





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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