Gewürze. Aromata

Gewürze (Aromata). Sie gehören nicht zu den Nahrungsmitteln, sondern zu denen, welche durch ihren Reiz Appetit machen und deshalb öfters zu faden oder schwerverdaulichen Speisen gesetzt werden. Das beste von allen Gewürzen ist der Hunger, der nach gehöriger Bewegung des Körpers und nach der Arbeit sich einstellt, was schon die Spartaner wussten. Aber nicht jeder Mensch arbeitet, nicht jeder, der arbeitet, bewegt sich viel, nicht jeder hat Hunger, und dennoch setzt man sich an den Tisch, um zu essen, weil es die Zeit, die Mode und der Gaumenkitzel so wollen.

Für Kinder und junge Leute bis zum achtzehnten, zwanzigsten Jahre passen, außer dem Salze und dem Zucker, keine Gewürze (denn sie reizen, stimulieren, wecken zu früh die Geschlechtslust [s. Aphrodisiaka] und geben dadurch häufig den ersten Anlass zur Onanie, zu Ausschweifungen im Geschlechtsgenuss, befördern die Selbstsucht und schwächen die Selbstbeherrschung), und es ist gewiss, dass die Gesundheit des Menschen ohne Gewürze sehr befördert wird, indem der Appetit so regelmäßiger und naturgemäßer bleibt.

Der Gewürzmissbrauch macht scharfe Galle, hitziges Blut, nervöses und rheumatisches Gliederreißen und viele andere körperliche und geistige Übel. Er schadet auch dadurch, dass er durch Anregung eines zu starken Appetits die Vollblütigkeit und Übernahrung des Körpers mit ihren oft traurigen Folgen: Schlagfluss, Hirn- und Lungenentzündungen, begünstigt. Die Ostinder essen häufig die in Zucker gekochten Muskatnüsse und verfallen dadurch in Schlafsucht und Krämpfe; ich kannte einen Jüngling-, bei dem sich durch täglichen Gewürzgenuss die Geschlechtslust schon im zwölften Jahre entwickelte und der schon im dreizehnten Jahre einen Bart bekam, durch das Laster der Onanie aber ganz abgezehrt war.

Die inländischen Gewürze sind für Europäer nicht so schädlich, als die ausländischen; daher sollten wir erstere stets vorziehen, indem sie nicht so sehr erhitzen und reizen. In heißen Klimaten sind die hitzigen Gewürze, mäßig genossen, weniger nachteilig, weil der Mensch dadurch leichter der erschöpfenden Wirkung der Hitze widersteht. Als Hausarzneimittel stehen indessen die einzelnen in- und ausländischen Gewürze, richtig angewandt, mit Recht in hohem Ansehen.

Die allgemeinsten und gebräuchlichsten Gewürze, welche sowohl zum Küchengebrauch, als auch gegen verschiedene Krankheiten dem Nichtarzt dienen, sind:


1) Salz, Küchensalz, Kochsalz
2) Zucker
3) Zimt. Zimtkassie, Muskatnüsse, Blumen
4) Meerrettich
5) Zwiebeln, Lauch
6) Senf
7) Pfeffer
8) Ingwer
9) Spanischer Pfeffer
10) Cayennepfeffer
11) Kardamomsamen
12) Anis, Sternanis, Fenchel, Dill
13) Koriandersamen
14) Gewürznelken
15) Kümmel
16) Nelkenpfeffer, Piment
17) Vanille

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