Krankenwärter

Über Krankenpflege sind vorzüglich die Schriften von May, Klügelstein, Gregoire, Wendt, Schmidt und Dieffenbach (s. u. die Literatur) zu empfehlen. Eine gute und zweckmäßige Krankenpflege vermag bei unzähligen Leiden oft mehr, als alle Arznei. Leider! beachten manche Ärzte diesen Gegenstand zu wenig und es fehlt, wenn wir die öffentlichen Anstalten ausnehmen, in der Zivilpraxis häufig an guten Krankenwärtern.

Zu tüchtigen Wärtern und Wärterinnen für Kranke passen fremde Personen in der Regel besser, als nahe Verwandte, da letztere oft zu viel Anteil an den Leiden der Kranken nehmen und nicht Kraft und Mut genug besitzen, ihnen das Schädliche zu verweigern und die ärztlichen Vorschriften strenge zu befolgen. Ein gutes Wärterpersonal ist selbst in öffentlichen Krankenhäusern, noch mehr in der Zivilpraxis, eine seltene Erscheinung; nur die Heilanstalten in katholischen Ländern, wo fromme Ordensbrüder und -Schwestern nach dem schönen Grundsatz: "il faut faire quelques choses pour mériter le ciel", die Krankenpflege übernehmen, machen hiervon eine Ausnahme.

Krankenwärter müssen durchaus gesund und von kräftigem Körperbau sein, damit ihr Anblick keinen widrigen Eindruck auf den Kranken mache. Sie müssen auf Reinlichkeit des Körpers und der Kleidung halten, dürfen keinen Tabak rauchen, und weder dem Spiele, noch dem Trunk ergeben sein. Entschiedene Liebe für ihren Dienst muss sie beseelen, um die Anstrengungen und Beschwerden desselben, den Anblick Sterbender, die Wartung von Kranken mit Ekel erregenden Übeln etc. mit Mut und Ausdauer ertragen zu lernen. Sie müssen streng rechtlich, geduldig, mitleidig, nachsichtig gegen die Launen der Kranken und ohne Jähzorn sein, aber auch Charakterfestigkeit genug besitzen, um nicht aus falschem Mitleid die Vorschriften des Arztes zu vernachlässigen und ihnen Dinge zu erlauben, die ihnen schädlich werden können. Sie müssen ferner lesen und schreiben, wenigstens Geschriebenes lesen können, um Verwechselung der Arzneien zu verhüten. Endlich ist es noch gut, wenn Krankenwärter das Aderlassen, Blutegelsetzen, Klistiere beibringen, Pflasterstreichen und sonstige kleine chirurgische Operationen kennen lernen.

Die wichtigsten Gegenstände des Krankenwärterunterrichts beziehen sich auf das gesamte diätetische Verhalten der Kranken, sowohl was Körper- als Seelendiät betrifft. Hier sind die Lage des Kranken im Bett, die nötige Reinlichkeit desselben und seiner nächsten Umgebung, Essen, Trinken, Kleidung, Schlaf, Bewegung des Kranken, Reinlichkeit der Zimmer und Sorge für frische Luft, die Pflege und Wartung Sterbender etc. — Alles Dinge, welche die größte Berücksichtigung verdienen.

Es wäre endlich noch zu wünschen, dass menschenfreundliche Ärzte durch unentgeltlichen Unterricht in der Krankenpflege dem Mangel an guten Krankenwärtern mit der Zeit immer mehr abhelfen!


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