›Jahrbuch des Verlages Paul Zsolnay‹


Klapp. Ein Buch ist vom Bett gefallen, liegen lassen ist aus Prestigegründen unmöglich – die andern Bücher machten sich die Schwäche sofort zunutze und fielen alle gleichfalls. Was ist das –?

Es ist das ›Jahrbuch des Verlages Paul Zsolnay‹ – eine sehr lesenswerte Sache. Dieser Verlag, der noch ganz jung ist, hat sich in wenigen Jahren zu einer beachtlichen Höhe aufgeschwungen, und grade, weil ich einen Teil seiner Autoren für umstritten halte und andre für einen gediegenen Zeitvertreib der gebildeten Mittelklasse, so ziemlich das unausstehlichste, das es in Deutschland gibt, blättere ich gern in seinen Büchern. Er hat Galsworthy, den ich nicht lese, und den großen Heinrich Mann; er hat Molnár und Max Brod, den ich immer lese, und er hat H. G. Wells. Das ist ein Kerl! Der einzige, dessen Optimismus über den Lauf der Welt nicht fade schmeckt; ein goethescher ›Dilettant‹ im edelsten Sinne; ein gebildeter Unfachmann – ein Dichter und ein Mann des Fortschritts und tausendmal wertvoller als der ganze Shaw.

Sehr reizvoll ist in diesem Jahrbuch ein Kapitel Franz Werfels ›Der Snobismus eine geistige Weltmacht‹. Das Negative daran ist zum Teil brillant; das Positive ... es fällt mir schwer, das zu sagen: aber es ist etwas von Rentenphilosophie darin, von Geborgenheit, von etwas, das er »verwurzelt« nennt und das doch nur die Sicherheit ist, die ein Scheckheft gibt. Ich mag solche geborgenen Menschen nicht. (Was nichts mit Werfels großen dichterischen Qualitäten zu tun hat.)

Merkt man noch an, dass die Bücherpreise Zsolnays erfreulich vernünftig, weil so niedrig wie möglich kalkuliert sind, so kann man dem Verlag nur Glück auf den Weg wünschen.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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