Lockspitzel

Lockspitzel ist nach Kluge, Etym. Wb. S. 371 eine Prägung des Schriftstellers Karl Henckell, der am 2. Februar 1888 in der ›Züricher Post‹ einen satirischen Bänkelsang unter dem Titel: Lockspitzellied veröffentlichte und damit das frz. agent provocateur glücklich verdeutschte. Vgl. auch Büchmann S. 329.

Das einfache (Wienerische) Schmähwort Spitzel freilich ist erheblich älteren Datums und erobert sich vom österreichisch-bayerischen Sprachgebiet etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts weiteren Boden, bis es als geiziges Schlagwort für einen hinterlistigen Polizeispion und Denunzianten allgemein in Aufnahme kommt. Hebbel, Tageb. 3, 449 f. notiert am 4. Okt. 1853: "Mein Schwager .. hört von meiner Bekanntschaft mit Hirsch und fragt mich aus einmal, weil er glaubt, dieser habe etwas mit der Polizei zu tun, angelegentlich und ernsthaft, ob er durch ihn nicht als geheimer Agent (vulgo Spitzel) empfohlen werden könne." Vgl. DWb., das auch Spitzelei und Spitzeltum aus dem Franks. Journal vom 22. März 1871 belegt: "Nichts steht aus der Reaktion der fünfziger Jahre bei dem Deutsch-Österreicher, und namentlich bei dem Wiener, in so entsetzlicher, in so finsterer Erinnerung, als das offizielle politische Spitzeltum." Zahlreiche andere Stellen bei Sanders, Ergb. S. 494.


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