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Familiengemälde

Familiengemälde als Stichwort für eine bestimmte dramatische Gattung geht auf Lessing zurück, der 9, 273 (14. Juli 1767) urteilte: „Ohnstreitig ist unter allen unsern komischen Schriftstellern Herr Gellert derjenige, dessen Stücke das meiste ursprünglich Deutsche haben. ES sind wahre Familiengemälde, in denen man sogleich zu Hause ist; jeder Zuschauer glaubt, einen Vetter, einen Schwager, ein Mühmchen aus seiner eigenen Verwandtschaft darin zu erkennen.“ Vergl. Meyer S. 31.

Der Ausdruck fand Beifall. So betitelte Großmann ein Schauspiel: „Nicht mehr als sechs Schüsseln. Ein Familien-Gemälde in fünf Aufzügen“ (nach des Verfassers Angabe 1777 verfertigt). Seit den achtziger Jahren hebt dann eine ganze Flut von dramatischen Familiengemälden an. Siehe Gomberts Belege in der ZfdW. 2, 65 und 3, 145. Dazu 3. A. Wilh. Schlegel 10, 199 und 11, 63. Derselbe Schriftsteller äußert sich in seinen Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst (Deutsche Lit.-Denkm. Nr. 18) im Jahre 1802 über die Elektra des Euripides S. 371: „Durch seine Intentionen ist es wenigstens keine Tragödie, sondern vielmehr ein Familiengemälde in der modernen Bedeutung des Wortes geworden.“ Diese aber charakterisiert er 6, 425 ff. ausführlich nach ihrem nüchternen und beschränkten Motivkreis, obwohl er konstatieren muss: „Die beliebtesten Gattungen sind außerdem das Familiengemälde und das rührende Drama geworden, zwei Aftergattungen.“

Das DWb. bringt zwei lehrreiche Belege aus Goethe. Und noch Immermann 10, 110 (1831) behauptet: „Das enge weinerliche Familiengemälde ist unsere einzige naturgemäße Art.“