Gemeiner Wiederthon. Goldhaar

Wiederthon, gemeiner, Goldhaar, Adiantum aureum. Dieses Laubmoos ist Polytrichum commune L., auch wohl P. formosum Hedwig, P. longisetum Sw. Im J. 1831 empfahl eine Abkochung davon Bonafous ganz vorzüglich gegen verhaltene Regeln, und führte zahlreiche Beispiele glücklicher Kuren der Art an (s. Dierbach, Neueste Entdeckungen in der Materia medica. 2. Aufl. Bd. I. S. 55). Der Dr. Schäffer teilt gleichfalls mehrere glückliche Heilungen von retentierter Menstruation mit Brustbeschwerden, Krämpfen, Bleichsucht u. s. w. durch das Goldhaar mit (s. Casper's Med. Wochenschrift. 1835. Nr. 11). Man wendet die Abkochung oder die Tinktur an. Man nimmt drei bis vier Lot des Laubmooses, kocht diese mit sechs Quart Wasser zur Hälfte ein, setzt ein Lot Tinctura Adianti alcohol. aether. hinzu und lässt davon drei- bis sechsmal täglich eine halbe bis eine Obertasse voll trinken. Die Tinktur wird so bereitet, dass man ein Lot Moos mit vier Lot Weingeist, und eine gleiche Portion mit vier Lot Schwefeläther übergießt und, nachdem sie durch Digestion gehörig ausgezogen, beide Teile mischt. Auch bei unordentlicher, selten erscheinender, nur ein bis zwei Tage dauernder Menstruation wandte Schmidt das Mittel mit Nutzen an. War das Übel mit Krämpfen kompliziert, so gab er darneben Valeriana, Pulv. aerophorus etc. (s. Medic. Convers.-Blatt baierscher Ärzte. 1841. S. 577). Woyt (l. c. p. 15) rühmt das Goldhaar zur Beförderung des Haarwuchses und als Palliativ bei podagrischen Schmerzen. Er führt auch noch eine zweite Art: die Mauerraute (Adiantum album) auf, welche auf alten Mauern, Türmen und Wänden wächst, so wie Adiantum verum s. vulgare (worunter er Herba Capillorum Veneria versteht), Adiantum rubrum s. Polytrichum officinale und Adiantum nigrum (an schattigen Hügeln, an den Wurzeln der Bäume) und sagt: "Wegen ihrer Qualitäten und Wirkung kommen sie oft alle überein, sind gar temperierend und trocken, sie werden am meisten zu den Brusttränken gebraucht, dienen deswegen wider den schweren Atem, wider das Keuchen, langwierigen Husten und Lungensucht, item wider die Milz - und Wassersucht, Blutharnen, und sonderlich wider das geronnene Blut in den Harngängen; wo aber Stein, Sand und Gries vorhanden, da kann man zu denselben etwas von Judenkirschen und Meerhirsen dazutun. Hiervon wird bereitet der berufene Sirupus Capillorum Veneris; er muss eine schöne gelblichte Farbe haben, klar und durchsichtig sein, einen guten Geschmack und rechte Konsistenz haben, der saurichte aber, schimmlichte und ganz weiße ist als verdächtig zu verwerfen" (Woyt l. c. p. 16).


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