Herri de Bles, Hendrik met de Bles, Civetta

Bles, Herri de, oder Hendrik met de Bles, auch Civetta — Käuzchen — das Abzeichen des Künstlers auf seinen Gemälden — genannt, geb. 1480 zu Bovines im Hennegau, gest. 1550 zu Lüttich, Historien- und Landschaftsmaler, kann als einer der Repräsentanten des selbstständigen Auftretens der landschaftlichen Kunst, wie solche zu Anfang des 16. Jahrhunderts in der niederländischen Schule statt fand, betrachtet werden. In seinen historischen Bildern, auf die bald Lucas von Leyden, bald Mabuse eingewirkt haben, tritt die Landschaft bereits so stark hervor, dass die darin vorgehende Handlung, die in den Hintergründen sehr oft noch von Darstellungen vorhergegangener oder nachfolgender Begebenheiten begleitet wird, immer mehr zur Staffage herabsinkt. In seinen Landschaften, worin er die von Patenier zuerst eingeschlagene Richtung, sie als eine für sich bestehende Gattung zubetrachten — obgleich er weder diesen, noch einen ändern Maler zum Lehrer hatte — weiter ausbildete, ist des Letzteren Härte glücklich vermieden, die Luftperspektive besser beobachtet und ein wohltuender Gesamteindruck erstrebt; auch beeinträchtigt der starke Ton nur selten die Zartheit der Ausführung. Seine besten Bilder scheint er um 1510 gemalt zu haben. Er war auch in Italien und gerade die Gemälde von größerem Umfang, z. B. die Landschaften zu Venedig und das neutestamentliche Kirchenbild zu Brescia dürften aus den späteren Lebensjahren des bei den Italienern beliebten Civetta stammen.

Die meisten größeren öffentlichen Galerien und Privatsammlungen Europa's besitzen Bilder von Bles. Die vorzüglichsten in Deutschland sieht man: in der öffentlichen Sammlung zu Basel, eine Ruhe auf der Flucht; im k. Museum zu Berlin: den h. Hubertus in Verehrung vor dem Hirsche; das Bildnis eines Mannes; Eva mit Adam unter dem Baume der Erkenntnis; in der Dresdner Galerie: den durch die Affen beraubten Tabulettkrämer; in der Galerie zu Grätz: einen Orpheus im Tartarus; zu Köln, im Besitz des Herrn Zimmermann: Pilatus, seine Hände waschend, und St. Petrus mit vier ändern Aposteln; in der Pinakothek zu München: den englischen Gruß, und die Anbetung der h. drei Könige; in der Moritzkapelle zu Nürnberg: zwei Bilder, das Gefolge eines Königs darstellend, und eine Landschaft; in der Galerie zu Pommersfelden: das Begräbnis und die Himmelfahrt der Maria; in der k. k. Galerie zu Wien: vier reiche Landschaften mit Staffagen aus der biblischen Geschichte. — Endlich trifft man in der Bildersammlung des Grafen Radnor in Longfordcastle: Maria mit dem Kinde auf dem Throne; im Hause des Herrn Beckford zu Bath: eine Landschaft mit der Predigt Johannis, eines der vollendetsten Werke des Meisters; den Besuch der Maria bei Elisabeth und die Flucht nach Ägypten bei Herrn Adens in London; in der Liverpool-Institution: Maria mit dem Kinde; in der k. Galerie zu Kopenhagen: zwei Landschaften; fünf historische Landschaften im Saale der Zehn im Palaste des Dogen und einen Turmbau zu Babel in der Akademie zu Venedig u.s.w.

 

Literatur. Dr. Ratgeber, Analen der niederländischen Malerei u.s.w.


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