Römische Schule

Römische Schule. (Zeichnende Künste) Die römische Schule ist nicht nur die älteste, sondern auch die wichtigste aller Schulen der zeichnenden Künste. Nicht, dass der römische Boden etwas vorzügliches zur Bildung des Genies und Geschmacks beitrage; denn die wahren Ursachen liegen am Tage. Rom besitzt den größten Schatz der Antiken, hat schon ehe der helle Tag der erneuerten Künste wieder in vollem Licht angebrochen war als die Hauptstadt der Christenheit, die größte Menge der Künstler und die größten Aufmunterungen gehabt; also mussten unter der Menge der Künstler, die nur durch das Unglück der Zeiten schlecht, durch ihr Genie aber groß waren, notwendig sich solche finden, die durch den hohen Wert der alten Kunstwerke gerührt, sich nach denselben bildeten. Freilich ist es zufällig, dass Raphael das größte Genie unter den Künstlern neuerer Zeiten, sich unter diesen befand. Er fühlte die ganze Vollkommenheit der alten Kunst und sein unermüdetes Bestreben, sie zu erreichen, glückte ihm mehr wie jedem anderen und seinen Nachfolgern mehr als denen, die auf die Häupter anderer Schulen gefolgt sind.

Die römische Schule tut sich, durch die Teile der Kunst, darin Rom die größten Meister hatte, hervor: durch das Große im Geschmack und in dem Ausdruck, durch die erhöhete Gattung des Schönen, durch die Richtigkeit in der Zeichnung. In keinem anderen Teile der Kunst hatte Rom Vorzüge. Man muss den Anfang der römischen Schule von Peter Perugino, der 1446 geboren wurde, machen. Denn er steht gerade am Anbruche des Tages der Kunst und war Raphaels Lehrmeister. Ciro Ferri und Carl Maratti, der erst 1713 gestorben ist, müssen als die letzten großen Meister dieser Schule angesehen werden.

 


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