Rein

Rein. (Musik) Man braucht dieses Wort bei zweierlei Gelegenheiten in der Musik, von einzeln Tönen und von Intervallen. Man sagt eine Saite, eine Flöte, habe einen reinen Klang; die Stimme eines Sängers sei vollkommen rein. Die Reinheit des Klanges einer Saite kommt daher, dass sie bloß regulaire oder harmonische Schwingungen macht,1 und er wird unrein, wenn diese durch andere Schwingungen gestört werden; welches geschieht, wenn die Saite nicht durchaus gleich dick ist, auch geschehen kann, wenn sie zu wenig gespannt ist und so schlecht angeschlagen oder gestrichen wird, dass sie nicht gleich in ihrer ganzen Länge die Schwingungen macht.

 Durch reine Intervalle versteht man die, deren beiden Töne genau die ihnen zukommenden Verhältnisse haben; wenn z.B. die Oktave genau 1/2, die Quinte 2/3 die große Terz große4/5 u.s.w. des Grundtons ist2; übersteigen sie dieses genaue Verhältnis oder bleiben sie darunter, so sind sie unrein. Es ist eine für den Tonsetzer wichtige Anmerkung, dass je vollkommener das Konsonieren eines Intervalls ist, es um so viel genauer rein sein müsse. Denn da alle Orgeln und Klaviere temperirt werden müssen3, so ist es wichtig, dass das Abweichen von der Reinheit auf die Intervalle gelegt werde, die es am besten vertragen.

Die Oktave verträgt wegen ihrer ganz vollkomme nen Harmonie gar keine Abweichung von ihrer Reinheit. Die Quinte, welche nächst der Oktaveam vollkommensten harmonirt, verträgt sehr wenig; kein Komma, dadurch würde sie schon unangenehm. Die große Terz als weniger vollkommen, verträgt mehr als die Quinte; doch schwerlich mehr als ein Komma; die kleine Terz verträgt noch etwas mehr und die Dissonanzen noch mehr.

  Dieses empfindet ein gutes Ohr; indessen ist es auch nicht schwer den Grund davon einzusehen, der überhaupt darin liegt, dass bei größerer Vollkommenheit die kleinen Unvollkommenheiten empfindlicher sind als bei geringerer Vollkommenheit. Ein kleiner Flecken, der auf einem eben nicht schönen Gesichte kaum merklich ist, verstellt eine vollkommene Schönheit und wird da anstößig.

 

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1 S. Klang.

2 S. Konsonanz.

3 S. Temperatur.

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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