Velhagen & Klasing


haben zwar den Krieg auch nicht gewonnen, aber sie tun doch ihr möglichstes.

In dem großen Andreeschen Handatlas, den sie herausgeben, findet sich in der Ausgabe 1920 eine Weltkarte der internationalen Kolonial-Verteilung, die – auf Seite 21 – für Afrika, zum Beispiel, so aussieht: Deutsch-Südwest-Afrika – Deutsch-Ostafrika und so weiter ... Ganz klein und versteckt steht unterhalb der Karte ein kleines Farbfleckchen in entsprechender Couleur und verkündet recht bescheiden und petit: »Ehemals deutsche Kolonien«. Die Karte selbst fälscht.

Zur Rede gestellt, beruft sich der Verlag in einem lahmen Schreiben auf das farbige kleine Heftpflaster und verschweigt, dass das Gesamtbild für jeden unbefangenen Betrachter einen vielleicht für die Kolonial-Assessoren und Hundspeitschenschwinger wünschenswerten Zustand zeigt, keineswegs aber die politische Wirklichkeit. Die ist ja nun leider gottseidank wesentlich anders.

Diese Sorte von National-Geographen tobt umher, wenn ein deutscher Atlas die richtigen tschechischen oder polnischen Städtenamen in annektierten Gebieten politisch wahrheitsgemäß und untendenziös angibt, wie sich das gehört. Denn es heißt wohl Nanzig und Sankt Kwentihn, aber wenn wir auch durch die Schuld tobsüchtiger Militärs den Krieg verloren haben: die Kolonien in den Atlanten lassen wir uns nicht nehmen. »Den Finger drauf! Die nehmen wir!« Für deine Steuergroschen, Atlaskäufer.

 

 

Ignaz Wrobel

Die Weltbühne, 11.01.1927, Nr. 2, S. 79.





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