Hans Reimann, ›Sächsische Miniaturen‹


Nein, wenn man schon lachen will: dann über Hans Reimanns ›Sächsische Miniaturen‹ (bei Carl Reißner in Dresden). Die Geschichten des ›Geenijs‹, der trotz aller humorlosen einstweiligen Verfügungen als solcher ins Elysium eingehen wird (halt dich bereit, Biograph!), – die bezaubernd formulierten kleinen Geschichten ... einmal, bei der Sache mit den Elefantenfladen, ist Reimann dem, was Humor ist, so nahe gekommen wie noch nie. Die Geschichte hat überhaupt keine Pointe – sie löst sich völlig in ein behagliches, wortloses Schmunzeln auf. Es ist der echte, dem Volk abgehörte Humor – man lese ›Estremadura‹ und bleibe ernst, wenn man kann. Die schöne Geschichte von der klemmenden Himmelstür, die ich ihm erzählt habe, ist auch drin. Ih! 'ch werd se doch nich nochemal uffschreihm – nu, das wäre gelachd! Darin bin 'ch säcksch.

Ziemlich schauerlich, wenn nachts im Bett einer allein lacht! War da jema – –? Nein. Plötzlich werde ich ganz ernst und sehe an mir herunter. Da rinnen die Bücher über das ganze Bett, halb aufgeschlagen liegt der Kircher, verbogen ›Moskau.‹ und unten, unter dem Bett, da wo er sonst zu stehen pflegt, die ›Tägliche Rundschau‹. Halb drei –! Und morgen kommt um acht der Postfritze mit den Fahnen, und die ganze Post liegt unerledigt da, hungrig sperren die Umschläge die Mäuler auf, welche Familie! Brom, Bromural, Pantopon, Pantoral, Bromopon – – Allerherzlichst gute Nacht.

 

 

Peter Panter

Die Weltbühne, 06.12.1927, Nr. 49, S. 860.





 © textlog.de 2004-2019 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright