Das Lächeln der Mona Lisa


Ich kann den Blick nicht von dir wenden.

Denn über deinem Mann vom Dienst

hängst du mit sanft verschränkten Händen

und grienst.

 

Du bist berühmt wie jener Turm von Pisa,

dein Lächeln gilt für Ironie.

Ja ... warum lacht die Mona Lisa?

Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns –

oder wie –?

 

Du lehrst uns still, was zu geschehn hat.

Weil uns dein Bildnis, Lieschen, zeigt:

Wer viel von dieser Welt gesehn hat –

der lächelt, legt die Hände auf den Bauch und schweigt.

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 27.11.1928, Nr. 48, S. 819,

wieder in: Mona Lisa.





 © textlog.de 2004-2019 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright