Was kosten die Soldaten?


Wir haben Lungenkranke,

die brauchten Berg und Schnee;

sie heilen –? Kein Gedanke!

Wir brauchen die Armee.

Da kostet jeder Junge

mit Stiefel und Gewehr

pro Mann eine Lunge –!

Das ist unser Heer.

 

Von dem, was die verschwenden,

von dem, was da veraast:

könnten wir Gutes spenden,

wo die Schwindsucht rast.

Der Proletarierjunge

krepiert so nebenher ...

Pro Mann eine Lunge –

das ist unser Heer.

 

Es fällt durch graue Scheiben

ein trübes Tageslicht;

die Kranken, die da bleiben,

überleben den Sommer nicht.

»Zeigen Sie mal die Zunge!

Na ja – das wird nichts mehr!«

Pro Mann eine Lunge –

das ist unser Heer!

 

Sie haben Feldgeschütze,

Schiffskreuzer und Musik;

in schwarz-rot-goldner Mütze

bezahlts die Republik.

Sie setzen an zum Sprunge.

Sie sind das Militär.

Sie stehlen uns Herz und Lunge.

Wann – Junge! Junge! –

wirfst du sie in hohem Schwunge

ihrem Kaiser hinterher –?

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 20.11.1928, Nr. 47, S. 764,

wieder in: Mona Lisa.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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