Friedrich Ebert, ›Kämpfe und Ziele‹


Friedrich Ebert ›Kämpfe und Ziele‹. Das wollen wir uns nicht antun. Einseitige Kritik ist feige, der Mann kann sich nicht wehren und auf die kindlichen Bewunderer Eberts, die diesen Mann, von dem in zwanzig Jahren kein Mensch mehr sprechen wird, zum ›Staatsmann‹ aufplustern, wird an andrer Stelle geschossen. Es war keiner da, um die Revolution zu machen? Der war immer da. Und weil er immer da war, drängelte er sich zum Reichspräsidenten hinauf, ein mittlerer Bürger, die schlimmste Mischung, die denkbar ist: persönlich rein und sachlich schmutzig. Der hat viele Arbeiterjahre Zuchthaus auf dem Gewissen ... Die Sammlung seiner Aufsätze ist trostlos; dagegen kann man nicht polemisieren. Ich weiß, dass man die Tagesarbeit von Gewerkschaften nicht mit Hallo und Pathos machen kann – aber jede Arbeit hat doch ihren Klang, ihren ganz bestimmten Ton ... diese ist pappen, dumpf klein, schlau und dumm. Vorn wird in Vater-Sentimentalität gemacht, ich kann mich nicht besinnen, dass dieser Mann jemals solche Gefühle für seine Klassengenossen aufgebracht hätte, die er den Militärs und den Richtern überliefert hat; hinten erzählt – wie unvorsichtig! – ein Vollbart eine ›Anekdote‹. Ein Fotograf habe Ebert gebeten, etwas mehr nach rechts zu rücken, und der Erzähler habe dazu gesagt: »Noch mehr nach rechts kann er ja gar nicht!« Der so sprach, war der württembergische Gesandte in Berlin, Herr Hildenbrandt; für seine Staatstreue, für seinen realpolitischen Blick, für seine ›staatspolitische Mitarbeit‹ hat er denn auch von Herrn Bazille einen Tritt bekommen und ist geflogen. Auch Noske ist in dem Buch vertreten. Niemand schämt sich. Nur wenige sagen dieser Gesellschaft Bescheid ... Um etwas ernsthaft Politisches anläßlich Eberts anzuschneiden: was ist das für eine neue Verlegerunsitte, die Bücher mit Prospekten vollzustopfen, die man vor der Lektüre erst alle herausschütteln muß? Einer fängts an, und alle machen es nach. Das lacht mich nicht an.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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