3) Scheintod durch Schwefelwasserstoffgas

3) Scheintod durch Schwefelwasserstoffgas. Er erfolgt am häufigsten durch die Luft aus Abtritten, Kloaken, Schwindgruben und Abflüssen (Kloakengas, mephitische Luft). Ein Licht brennt darin, wenn es rein und nicht mit Kohlenstoffgas vermischt ist, noch hell, und dennoch ist es dem Menschen oft schnell tödlich. Am sichersten erkennt man es dadurch, dass ein mit Bleiwasser befeuchtetes Stück Filterpapier darin schwarz wird.

Zufälle. Gleich nach dem Einatmen geben die Kranken ein brüllendes Geschrei von sich; sie haben kalte Haut, blaulich-rotes Gesicht, Übelkeit, Neigung zum Erbrechen, erweiterten Augenstern, Krämpfe; Beugung des Rückgrats nach vorwärts, Verlust des Bewusstseins, des Atemholens. Kur. Freie Luft, Waschen mit Essig, Reiben der Glieder, Räuchern unter der Nase mit oxygenierter Salzsäure, kalte Sturzbäder, Waschen des ganzen Körpers mit Chlorwasser; kann der Kranke schlucken, so gebe man Chlorwasser in Menge; — oft ein Brechmittel aus Brechwurzel, zumal wenn der Verunglückte in den Kloak oder den Abtritt gefallen und von dem Flüssigen darin viel geschluckt hat; auch nachher ein Glas voll Öl. Um Scheintote aus einer Kloake ohne Gefahr für den Retter herauszuschaffen, schütte man, darin die Luft zu verbessern, ein Pfund Chlorkalk, aufgelöst in zehn Maß Flusswasser, und kurz vor der Anwendung zwei Pfund guten Essig zugesetzt, vor dem Einsteigen hinein. In Paris und anderen Städten sind für die Arbeiter, welche die Kloaken und Abzugsgräben reinigen, zur Verhütung von Unglücksfällen durch das Kloakengas von Parent-Duchatelet (Hygiene publique. 1836. Tom I. p. 59 seq. und p. 309—437) sehr zweckmäßige Schutzmittel: Wachstuchkleider, Masken, Hüte, Stiefel, Feuerbecken, Reinigungsmaschinen angegeben und in der Schrift abgebildet worden.

Auch gehört hierher der Scheintod durch starke Gerüche, durch weiße Lilien, Nachtviolen, Narzissen, Hyazinthen, Nieswurzpflanze, selbst durch Nelken, Rosen, besonders in den Schlafzimmern und zur Nachtzeit.

Kur. Frische Luft, Säuren, reizende Dinge: Essignaphtha zum Riechen und Einnehmen. — Durch die Ausdünstungen der genannten Blumen entsteht häufig Ohnmacht, selten Scheintod.


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