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Zweck

Zweck (lat. finis, gr. telos; im Deutschen bedeutet das mhd. zwec soviel als Nagel aus Holz oder Eisen, dann Nagel im Mittelpunkt der Zielscheibe und schließlich Zielpunkt, Ziel) nennt man eine vorgestellte und begehrte Wirkung (vgl. Ursache). Der Begriff des Zweckes ist also aus dem Kausalitätsbegriffe abgeleitet, ist also nicht eine Kategorie des Denkens. Man unterscheidet Zwecksetzung und Zweckverwirklichung. Zur Zwecksetzung gehört dreierlei: a) die Vorstellung einer Wirkung, b) der Wunsch, dieselbe aus dem Reiche der Idee in das der Wirklichkeit zu setzen, c) die Vorstellung der Ursache (Mittel), welche dazu führt. Zur Zweckverwirklichung gehört: a) die Idee einer Wirkung, b) die Auslösung einer Ursache (Mittel), c) der Eintritt einer Wirkung (verwirklichter Zweck). Dar Zweckbegriff ist also nur unter Voraussetzung einer die Kausalitätsverhältnisse kennenden und ins Werk setzenden Intelligenz möglich. Der Zweck heißt Finalursache (causa finalis), weil er die Ursache ist, daß man die Mittel wolle. Der Finalnexus ist die durch Mitwirkung des Denkens und Wollens vollzogene Erweiterung des Kausalnexus um ein Glied; in der objektiven Kausalreihe von zwei Gliedern ist die Ursache das erste, die Wirkung das zweite, in der subjektiven und objektiven Zweckreihe von drei Gliedern ist die Idee der Wirkung das erste, die wirkliche Herbeiführung der Ursache das zweite und die reale Wirkung erst das dritte. Zweck ist daher nach Kant (1724 bis 1804) „der Begriff von einem Objekt, sofern er zugleich den Grund der Wirklichkeit dieses Objektes enthält“ (Kr. d. Urteilskraft. Einleitung S. XXVI). Wer also den Zweck begehrt, muß auch die Ursache, die weil sie zwischen Zweck und Wirkung liegt, Mittel heißt, wollen; doch geht der Zweck der Auswahl der Mittel voran, und erst das Begehren des Zweckes verursacht das Begehren des Mittels; dieses verursacht das begehrte Objekt; dieses endlich verursacht die Empfindung der Befriedigung. Manches begehrt man freilich auch als Zweck, während man die Mittel nicht will. So lebt mancher Mensch, obwohl er die Gesundheit liebt, so, daß er krank werden muß. Oft setzt sich auch andrerseits, was man nur als Mittel begehrte, als Zweck fest. Dies tritt besonders beim Gelde hervor. Vgl. Teleologie, Mittel.