Der Antichrist


Wie heiter und listig und insgeheim,

wie vielverheißend und frustra!

Und das Ergebnis ist dieser Reim,

denn also versprach Zarathustra.

 

Welch weise wissender Arzt der Zeit!

Es war ihrer Krankheit Wesen,

daß sie seit damals und bis heut

von ihm nicht konnte genesen.

 

Welch fröhliche Philosophenart!

Sie spielte mit einer Feder;

ging irre, noch ehe sie irre ward,

und tanzte auf dem Katheder.

 

Und lachte ohne jeden Humor

ein dionysisches Lachen.

Da konnte der Kant als ein unreiner Tor

sich stumm aus dem Staube machen.

 

Man lachte sich über den Herrgott schief,

metaphysische Sehnsucht zu stillen.

Ein kategorischer Diminutiv

verlieh uns zur Macht den Willen.

 

Die Heiligen wurden ausgelacht,

und was sie auch litten und lehrten.

Er hat es dem Unwert leicht gemacht,

die Werte umzuwerten.

 

An diesem halkyonischen Fest

wird die Welt noch lange kranken.

Die deutsche Literatenpest

hat sie dem Arzt zu verdanken.

 

Der christliche Gott ist gut genug,

daß er uns von dem Übel erlöse.

Es verhieß uns ein anderer Pfaffenbetrug

ein Jenseits von Gut und Böse.


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