Streikjustiz


Du siehst sie durchs Gefilde hupfen:

die Wangen angenehm verpudert,

frech, nicht mehr jung, und auch verludert,

verschminkt ... zwei rosarote Tupfen ...

 

Die Waage wackelt hin und her.

Das Schwert – mein Gott – es ist aus Pappe,

sie trägt es scherzhaft als Attrappe,

ein eisernes ist ihr zu schwer.

 

Sie richtet so! O ja – man siehts!

die schwarzen, hohen Stöckelschuhe

zertrampeln alles – schaffen Ruhe.

So tänzelt Fräulein Streikjustiz.

 

Es raschelt des Talars Frou-Frou ...

»Du trugst doch früher eine Binde?«

»Die hab ich noch! Dem, den ich finde,

schnür ich damit die Kehle zu!« –

 

 

Kurt

Dresdner Volkszeitung, 01.04.1912, wieder in: Fromme Gesänge.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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