Kritik


Da oben spielen sie ein schweres Drama

mit Weltanschauung, Kampf von Herz und Pflicht:

Susannen attackiert ein ganz infama

Patron und läßt sie nicht.

 

Ich sitze im Parkett und zück den Faber

und schreibe auf, ob alles richtig sei;

Exposition, geschürzter Knoten – aber

ich denk mir nichts dabei.

 

Mein Herz weilt fromm bei jenem lieben Kinde,

das lächelnd eine Kindermagd agiert:

ich streichle ihr im Geiste sehr gelinde,

was sie so lieblich ziert,

 

Nun sieh mal einer diese süßen Pfoten,

dies Seidenhaar mit einem Häubchen drauf –

es gibt da sicher manch geschürzten Knoten:

ich löst ihn gerne auf.

 

Wer sagte da, dass ich nicht sachlich bliebe?

(Nu sieh mal einer dieses schlanke Bein!)

Begeisterung, Freude am Beruf und ›Liebe‹ –:

So soll es sein!

 

 

Ignaz

Die Schaubühne, 05.06.1913, Nr. 22, S. 617,

wieder in: Fromme Gesänge.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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