D. Getränke

Allen Fieberkranken ist das frische, reine, kalte Wasser das beste Getränk; sie ziehen es häufig auch allen anderen Getränken zur Stillung des Durstes und zur Milderung der Körperhitze vor. Man gewähre daher allen Kranken, welche nach kaltem Wasser verlangen, ohne Unterschied ihren Wunsch, nur sehe man darnach, dass langsam getrunken wird (vgl. den Artikel: Wasser). Der Veränderung wegen wünschen indessen manche Kranke, besonders Erwachsene, andere Getränke. Wir rechnen hierher für Fieberkranke die folgenden Nummern 1—7, auch Nr. 12 und 13, dagegen passen die Nummern 8, 9, 10, 11, 14—17 mehr für chronische Fälle.

1) Brotwasser. Man röstet die Kinde von Schwarzbrot, gießt kochendes Wasser darauf, setzt Zucker, Johannisbeer- oder Himbeersaft hinzu, und lässt es kalt trinken.

2) Malztrunk. Man kocht Malz mit Wasser, seiht es durch und setzt Zucker zu. Für Kranke, welche nicht an Fiebern und Entzündungen leiden, kann man etwas Pomeranzenschale und Wein daran tun.

3) Zuckerwasser. Es ist ein ganz vorzügliches Getränk bei verschiedenen Krankheiten (s. oben Zucker).

4) Sauerhonig (s. Essig).

5) Apfeltrank (s. oben Apfeltee).

6) Limonade. Man kocht eine sättige Zitrone recht weich, schneidet sie in der Mitte von einander, und drückt den Saft davon in ein bis zwei Maß Wasser und setzt Himbeerensaft oder Zucker nach Belieben hinzu. Ein bis zwei Gläser guten Weißwein kann man für Personen, denen der Wein zusagt, und welche nicht an Fieber und örtlichen Entzündungen leiden, noch beimischen.

7) Kristallwasser (s. oben S. 14).

8) Käsewasser oder süße Molken. Man löst zwei Lot Milchzucker in ein halbes Maß kochendem Wasser auf, und lässt es kalt trinken.

9) Saure Molken, mit Weingeist, Zitronensaft, Tamarinden, Essig u. s. w. Man setzt ein Maß frisch gemolkene, oder auch schon abgerahmte Milch aufs Feuer, und wenn sie zu kochen anfängt, so wirft man unter beständigem Umrühren ungefähr ein Lot präparierten Weinstein nach und nach hinein (oder Tamarinden, Zitronensaft), bis sich der käsige Teil davon abgesondert hat. Man seiht sie hierauf durch; will man diese trübe Molke wasserhell haben, so schlägt man das Weisse einiger Eier zu Schaum, vermischt diesen mit der Molke, und peitscht es wohl durch einander, lässt es anf dem Feuer noch einmal aufkochen, und filtriert dann die Molke durch Fliesspapier. Auf dieselbe Art bereitet man auch Molken mit Wein und Alaun. Die Alaunmolken, welche bei Personen, die an langwierigen Blutflüssen leiden, oft sehr heilsam sind, lässt Osiander d. Ält. mehrere Wochen lang, auf folgende Weise bereitet, trinken: Man nehme römischen Alaun, zwei Lot, Milchzucker, ein Lot, feinen Zimt, ein halbes Lot. Man pulverisiere Alles fein, und teile es in acht Teile. Mit einem solchen Pulver koche man ein Viertel- bis ein Maß Kuh- oder Ziegenmilch in einem irdenen Gefäße, bis sie gerinnt. Die geronnene Masse wird durchgeseiht, mit Zucker versüßt, und den Tag über verbraucht.

10) Molken mit Kälbermagen bereitet. Diese Molken sind sehr beliebt. Der Kälbermagen wird erst gewaschen, dann einige Stunden in Essig, worin man etwas Pfeffer getan, erweicht, nachher in der Wärme getrocknet, und zum Gebrauch aufbewahrt. Will man nun Molken bereiten, so sclmeide man ein Stück von diesem Kälbermagen ab, erweiche dasselbe in kaltem Wasser, und tue es mit dem Wasser in die noch nicht gekochte, aber abgerahmte Milch. Letztere setze man nicht über das Feuer, sondern nur in heiße Asche. Einige Minuten später zeigt sich oben ein Häutchen; schneidet man dieses durch, so findet man darunter die schönste, süßschmeckende Molke.

11) Pomeranzenmolke. Man nimmt ein Maß Milch und eine halbe Pomeranze, kocht beides mit einander und seiht es dann durch. Diese Molken sind sehr magenstärkend, so wie überhaupt alle Molken bei langwierigen Leiden der Brust und des Unterleibs: Schleimschwindsucht, Leber- und Milzstockungen, Magen- und Darmverschleimungen, von großem Nutzen sind, besonders wenn sie im Frühling drei bis vier Wochen lang bei guter Diät getrunken werden (vgl. den Artikel: Frühlingskuren).

12) Johannistraubenlimonade. Sie ist ein angenehmes Fiebergetränk; man bereitet sie so: Nimm ein Pfund Saft, ein and ein Viertelpfund gesiebten Zucker, bringe beides in eine Bouteille, jedoch nicht ganz voll, stelle es an die Sonne, und schüttele es zuweilen um. Man trinkt davon täglich nach Belieben, mit Wasser vermischt.

13) Milchwasser. Man nehme ein Maß gute Milch, ein Glas frisches Wasser, gieße dies zusammen, mische ein Weinglas voll Pomeranzenblütenwasser und Zucker nach Gefallen bei, schüttele es hinlänglich durch einander, bis der Zucker schmilzt, und trinke es dann.

14) Russischer Tee. Dieses Getränk bekommt schwachen Personen auf Reisen in der Kälte, auch nach Erkältung, sehr gut. Man setze ein Quart Milch auf das Feuer; sobald sie kocht, schütte man einen guten Teelöffel voll vom besten Tee hinzu und lasse diesen darin auskochen; nun durchgeseiht, mit Zucker versüßt, wieder aufs Feuer gesetzt und dann siedend heiß mit einigen Eidottern abgequirlt. Dieses Getränk wird in Tassen gegeben.

15) Magenstärkende Weine. Sie passen bekanntlich nur bei langwieriger Schwäche des Körpers, und besonders des Verdauungssystems, aber nicht in hitzigen, fieberhaften Krankheiten. Die Bereitungsart dieser Weine ist schon oben angegeben worden (s. S. 27).

16) Kaffee und Tee. Beide passen nicht für Fieberkranke, auch nicht für manche, an chronischen Übeln Leidende; dennoch sind sie in geeigneten Fällen herrliche Hausmittel (s. oben Kaffee und Tee).


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