Friktionen der Haut

Friktionen der Haut. Nichts belebt die Hauttätigkeit so sehr und befördert so bedeutend die Ausdünstung, als Reiben derselben mit Flanell, mit wollenen Handschuhen, wodurch es dem Kranken, der an rheumatischen Schmerzen, an sonstigen durch Erkältung bewirkten Übeln leidet, möglich wird, sich selbst zu frottieren. Diese Friktionen, so wie das Bürsten der Haut, das Bügeln mit einem warmen Platteisen, das Massieren (s. d.), sind oft wirksamere Heilmittel gegen Rheumatismus der Glieder, des Nackens, Halses, der Schulter u. s. w., als manche teure Arzneien aus der Apotheke. Sie sind außerdem höchst wichtige Mittel zur Wiederbelebung Scheintoter (s. Anhang I. B) und von ihrer, mit Umsicht und Ausdauer stundenlang fortgesetzten zweckmäßigen Anwendung bei Ertrunkenen, Erhängten, Erstickten etc. hängt oft allein die Lebensrettung ab.

Friktionen des Leibes mit Flanell, welcher vorher mit Räucherpulver durchräuchert worden, sind gegen Kolik und Magenkrampf, solche Friktionen der Brust, des Rückens und der Glieder gegen Keuchhusten der Kinder zu empfehlen. Auch hängt die gute Wirkung der Dampfbäder (s. Bäder) nicht wenig von dem dabei üblichen Frottieren des Körpers mit Flanell und Seife und von dem herrlichen Eindrucke des Sturzbades und kalten Wasserbades, die gleichzeitig hier, sowie bei den Kaltwasserkuren (s. Wasser) angewandt werden, ab. Ein berühmter Arzt sagt: "Eine der sanftesten Arten der Bewegung ist das Reiben des Körpers, entweder mit der bloßen Hand, oder mit einem Stück Flanell, oder, was noch besser ist, mit einer Hautbürste oder sogenannten Fleischbürste der Engländer (flesh brush), d. i. einer gewöhnlichen weichen Stielbürste. Die Römer bedienten sich zu diesem Zweck eines hölzernen Striegels (Strigilis). — Überhaupt stand die Friktion bei den Alten in hoher Achtung, und sie ist auch noch jetzt in Ostindien sehr geschätzt. Man kann das Reiben mit dem ganzen Körper vornehmen, vorzüglich aber mit dem Unterleib, dem Rückgrat, den Armen und Beinen. Solches Reiben reinigt die Haut, es löst die stockenden Säfte auf, befördert die Ausdünstung, stärkt die Fasern und vermehrt die Wärme und Tätigkeit des ganzen Körpers. Bei Rheumatismus, Gicht, Lähmung und Bleichsucht ist es ein vortreffliches Mittel. Für Leute von sitzender Lebensart, für solche, die an Hypochondrie oder an Unverdaulichkeit leiden und die nicht Gelegenheit genug zur gehörigen Bewegung haben, kann man das tägliche Reiben, besonders des Unterleibes, nicht genug empfehlen: zur Auflösung der dicken Säfte, welche sich, aus Mangel an Bewegung, in den Eingeweiden bilden können, und zur Stärkung der Gefäße. Das Reiben des Unterleibes muss mit kreisförmiger Bewegung geschehen, welche der Lage der Eingeweide und der Richtung ihrer natürlichen Tätigkeit am angemessensten ist. Man muss es des Morgens mit leerem Magen, oder noch besser im Bett vor dem Aufstehen vornehmen, und jedesmal wenigstens einige Minuten lang, damit anhalten. Der günstigste Zeitpunkt zur Anwendung desselben ist nach der Verdauung. Nach der Reibung ist es sehr zuträglich, wenn man sich eine leichte Bewegung macht, damit die in Bewegung gesetzten Säfte nicht sogleich wieder in Stockung geraten. Nach Hecker und anderen Ärzten ist die Friktion, welcher sich schon die altern Ärzte zur Aufregung des Gemeingefühls, und um dadurch krankhafte Zustände von innen nach außen zu leiten, bedienten, auch jetzt noch ein sehr wirksames Mittel (s. J. H. Schulze, De Athletis veterum, eorumque diaeta et habitu. Halae 1717. H. J. Cohen, Diss. de frictionum usu apud veteres. Berol. 1820). Abgesehen von dem mechanischen Einflüsse, der bei der Friktion sehr in Anschlag kommt, wirkt diese hauptsächlich auf die Nerven, und leitet dadurch Verstimmungen in den Ganglien-Nerven der Brust und des Leibes und ihrer Eingeweide ab, wohl ohne Zweifel unter Einfluss des tierischen Magnetismus, oder, was eben so viel sagen will, durch das unbekannte Agens, das bei der Berührung von einem lebenden Körper auf einen anderen übergeht. Der tierische Magnetismus hat indessen in seiner übertriebenen, auf einseitigen Grundsätzen beruhenden Anwendung die Friktion der Alten bei weitem nicht ersetzen können. (S. Magnetismus.)


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