5) Wurstgift. Fettgift, Fettsäure, Blutsäure

5) Das Wurstgift, Fettgift, auch Fettsäure, Blutsäure, Leichensäure genannt. Dasselbe gehört, wie das Käsegift, zu den aus Verderbnis und chemischer Zersetzung tierischer Stoffe hervorgegangenen Giften, findet sich am häufigsten im mittlerem Stück geräucherter Leber- und Blutwürste, und rührt nicht, wie man früher meinte, von Kupfer- oder Bleiteilen, oder von giftigen, zum Wurstmachen genommenen Kräutern her.

Zufälle. Sie stellen sich in der Regel erst 18—24 Stunden nach dem Genuss solcher eben näher bezeichneten Würste ein und haben Ähnlichkeit mit einem Choleraanfall, als: Erbrechen, Durchfall, starker Durst, später Halsbeschwerden, hartnäckige Leibesverstopfung, Hautkälte, langsamer Puls, Heiserkeit, Lähmung der untern Glieder, Blindheit, — und Tod, der ganz sanft und bei vollem Bewusstsein gegen den zehnten Tag der Krankheit erfolgt.

Hilfsmittel. Zuerst ein Brechmittel. Geht das Schlucken nicht, so spritzt man es mit einem biegsamen Rohre ein. Hinterher eröffnende Klistiere; innerlich zum Laxieren zwei bis drei Lot Glaubersalz mit Eiweißwasser und Baumöl; viel Zuckerwasser zum Getränk, abwechselnd mit Wasser und Essig. Gegen die Halsbeschwerden fand Bodenmüller im Württembergischen innerlich ein bis zwei Quäntchen Schwefelleber, zwei bis drei Lot Cremortartari, mit zwölf Lot kochendem Wasser infundiert, — stündlich einen Esslöffel voll — sehr nützlich.

Zur Verhütung des Wurstgiftes nehme man bei Bereitung der Würste kein Fleisch von krankem Schlachtvieh, zumal nicht von kranken Schweinen, die so häufig an. allgemeiner Drüsenkrankheit, an Eiterung und Fäulung der Leber u. s. w. leiden. Man wähle reines, vollkommen gar gekochtes Fleisch, welches nicht so leicht fault. Man fülle die Masse nicht zu flüssig in die Gedärme, damit jene umso leichter austrocknen, wähle auch keine Schweinsmagen und dicken Gedärme zum Ausfüllen. Man genieße endlich durchaus keine Wurst, die weich und schmierig ist oder beim Aufschneiden ekelhaft riecht. Alte Blut- und Leberwürste (auch altes Meppenbrot, aus Blut, Mehl und Wasser bereitet und vor dem Genuss mit Speck gebraten), welche zu einer Jahreszeit, wo Gefrieren und Wiederauftauen mit einander abwechseln und die Zersetzung tierischer Stoffe begünstigen, geräuchert worden sind, oder wo die Räucherung unterbrochen worden, — Würste von solchen Schweinen, die nicht mit Eicheln und Kornschrot, sondern mit Branntweinspülicht gemästet worden, entwickeln am leichtesten das Wurstgift, zumal wenn der Rauchfang, worin sie zwei bis drei Wochen hängen bleiben, kein gehöriges tägliches Feuer hat (s. Autenrieth, Über das Gift der Fische, Muscheln, der Würste u. s. w. 1833).


 © textlog.de 2004 • 25.06.2019 06:07:08 •
Seite zuletzt aktualisiert: 03.01.2008 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z