353. Dehnen 1). Ziehen 2). Recken 3). Strecken 4).

1) To expand.     2) Draw.     3) & 4) Stretch, extend.
1) Étendre (dilater).     2) Traîner (tirer).     3) Étirer (étendre).
4) Allonger (s′étendre).
1) Distendere (stendere).     2) Tirare (trarre).     3) Stirarsi, sgranchiarsi.
4) Stendere (allungare).

Von den vier Ausdrücken wird nur ziehen (verwandt mit lat. ducere) auch so gebraucht, daß der ganze Körper seinen Ort verändert, indem er einer von außen bewegenden Kraft folgt, während durch die übrigen Ausdrücke nur die Vergrößerung des Raumes, den der Körper einnimmt, ohne daß das Ganze seinen Ort und seine Masse verändert, angezeigt wird. Ziehen kann diese Bedeutung auch haben, aber selbst dann kommt die Kraft stets von außen, während beim Dehnen, Recken und Strecken diese Kraft von außen oder innen kommen kann. Eine Decke, die nicht ganz zureicht, wird etwas in die Länge oder Breite gezogen, damit sie den bedeckten Körper besser schützt. Wenn der Drahtzieher das Eisen durch eine enge eiserne Röhre zieht, so dehnt er es in eine größere Länge. Die Wärme dehnt gewisse Körper, wie: Metalle, Flüssigkeiten usw. aus, ohne sie zu ziehen; hier kommt die Kraft nicht von außen. Gedehnt kann ein Körper von allen Seiten werden: in die Länge, Breite und Dicke, gestreckt (eig. strack, d. i. gerade, straff gemacht) nur in die Länge. Man streckt den Arm, den Fuß, den Körper usw. Recken geht auch vorwiegend auf die Länge und wird dann gebraucht, wenn eine besonders widerstrebende Masse in die Länge gedehnt wird, z. B. Eisen, Leder recken oder wenn überhaupt ein besonders kräftiges Dehnen bezeichnet werden soll, z. B. die Glieder recken. "Wenn ihr euch — entwaffnet auf euer Bett streckt und euch nach dem Schlafe dehnt." Goethe, Götz. "Ist's, wo der Marsen Rind sich streckt? | Ist's wo der Märker Eisen reckt?" Arndt, Des Deutsch. Vaterl. "Und hinein mit bedächtigem Schritt | ein Löwe tritt | und sieht sich stumm | rings um, | mit langem Gähnen, | und schüttelt die Mähnen | und streckt? die Glieder | und legt sich nieder." Schiller, Handschuh. "Wie er den Löwen erschaut, | brüllt er laut, | schlägt mit dem Schweif | einen furchtbaren Reif | und recket die Zunge, | und im Kreise scheu | umgeht er den Leu, | grimmig schnurrend, | drauf streckt er sich murrend | zur Seite nieder." Schiller, Handschuh.


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