360. Derb 1). Plump 2).

1) Strong, robust. 2) Gross (rude, uncouth, clumsy).
1) Fort (robuste, compacte). 2) Lourd (grossier).
1) Sodo (robusto, compatto). 2) Goffo (massico, rozzo, grossolano).

Bei dem Derben (aus mhd. dërp, ungesäuert, das Wort vermischte sich aber mit einem norddeutschen Worte, das dem altfriesischen derf, heftig, und altsächs. derbi, feindlich, ruchlos, entspricht) hat der starke Eindruck, den ein Körper auf das Gefühl macht, seinen Grund in der Festigkeit und der Kraft, bei dem Plumpen (das Wort plump kommt erst im Neuhochdeutschen vor; es stammt aus dem niederdeutschen und niederländischen plomp, d. i. dick, grob, stumpf und ist eine schallnachahmende Bildung) bloß in der Masse, deren Gewicht zugleich den Körper unbeholfen macht. Derb ist dem Zarten und deshalb auch Weichlichen und Schlaffen, plump dem Feinen, Zierlichen, Gewandten entgegengesetzt. Das ist ein derber Junge, heißt, er ist ein solcher, der feste und kraftvolle Muskeln hat; ein plumper Junge würde ein solcher sein, der durch seine Masse schwerfällig und unbeholfen ist. Eine derbe Antwort ist eine durch ihre Kraft und ihren Nachdruck fühlbare. Eine plumpe Antwort ist eine ungeschickte und beleidigende Antwort, die ein Mensch, dem das feinere Gefühl und die nötige Gewandtheit mangelt, für nachdrücklich hält; denn dergleichen Menschen werden plump, wenn sie derb sein wollen. "Buch deckt Schlaf mit plumper Pfote, und die Ehre ist euch Zote." Eichendorff, An die Meisten 1810 (aus den "Zeitliedern"). Man sieht aus dieser Probe, daß Eichendorff auch derb sein konnte, wo es drauf ankam.

Plump wird besonders auch in bezug auf das gesellschaftliche Betragen angewendet; in diesem Sinne steht derb nicht. Plump tritt aber, vom Benehmen gesagt, in Sinnverwandtschaft mit einer Reihe anderer Wörter: ungeschickt, steif, ungelenk, schwerfällig, unbeholfen, linkisch, ungeschlacht. Ungeschickt ist der allgemeinste Ausdruck von allen und hebt hervor, daß jemand nicht dazu geeignet, geschickt ist, sich in Gesellschaft zu bewegen; man wendet es auch auf die ganze Erscheinung einer Persönlichkeit an und nennt diese ungeschickt, wenn sie das rechte Ebenmaß der Glieder vermissen läßt und durch zu große Fleischmassen, verbunden mit einem Mangel an Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Gewandtheit, einen unvorteilhaften Eindruck macht; plump kann auch so stehen, deutet aber einen viel stärkeren Grad an als ungeschickt. Steif geht nur auf den Mangel an gesellschaftlicher Gewandtheit und Beweglichkeit; oft deutet es auch an, daß die Etikette pedantisch eingehalten wird und bildet dann den Gegensatz zu behaglich, gemütlich, zwanglos, z. B. In dieser Gesellschaft geht es steif zu. In diesem Sinne ist es aber nicht sinnverwandt mit plump, sondern zu diesem steht es nur in Beziehung, wenn von der Gewandtheit im Benehmen die Rede ist. Steif ist noch nicht ungeschickt, sondern nur ungewandt; steif sind gewöhnlich Emporkömmlinge und halbgebildete Menschen, die meinen, durch steife Zurückhaltung und pedantische Abgemessenheit im Verkehr etwas aus sich zu machen, die nicht zur höchsten Stufe gesellschaftlicher Bildung: gesunder Natürlichkeit, die alle Roheit und Derbheit abgestreift hat, durchgedrungen sind. Steif sind alle Pedanten und gelehrten Stubenhocker.

Ungelenk ist der, dem die nötige Gelenkigkeit in den Bewegungen des Körpers oder Geistes fehlt, wie sie der gesellschaftliche Verkehr und die leichte Konversation fordert. So spricht man namentlich von ungelenken Tänzern, Reitern, Tennisspielern usw., doch auch von Verstößen beim Essen, Trinken, Sprechen usw. wird das Wort gern gebraucht. Wer nicht viel gesellschaftlichen Verkehr hat, wird immer ungelenk und steif bleiben, er ist aber deshalb noch lange nicht ungeschickt oder gar plump. Schwerfällig ist der, dem die leichte Beweglichkeit des Körpers oder Geistes fehlt. Schwerfällig ist ein höherer Grad der Ungelenkigkeit. Schwerfällig gebraucht man namentlich auch von Geisteswerken, die in der Form der Darstellung schleppend und durch Hereinziehung von zu viel gelehrtem Stoff überladen sind. Unbeholfen ist ein stärkerer Grad der Ungeschicklichkeit; wer sich in Gesellschaft oder im Ausdruck, in der Sprache gar nicht zu helfen weiß, fortwährend anstößt, beim Sprechen stockt, schließlich ganz stecken bleibt, wer die einfachsten Pflichten der Höflichkeit aus Blödigkeit oder Schüchternheit vergißt, den nennt man unbeholfen. Unbeholfen drückt einen stärkeren Tadel aus als schwerfällig oder ungelenk. Linkisch ist der, der alles auf verkehrte Art tut (eig. mit der linken Hand, statt mit der rechten; in linker Art, statt auf rechte Art). Linkisch gebraucht man nur von dem Benehmen in Gesellschaft, nicht von geistiger Ausdrucksweise. Jemand, der sich linkisch benimmt, hat ein linkisches Wesen. Wer linkisch ist, ist aber deswegen noch nicht plump. Der stärkste Ausdruck von allen ist ungeschlacht, d. h. plump und roh. Es ist die Verneinung von geschlackt, d. h. wohl geartet, von althochd. slahta, d. i. Geschlecht, Art, Familie, mhd. slahte, Art, zu althochd. slahan, d. h. schlagen, nacharten, gehörig.


 © textlog.de 2004 • 22.01.2021 14:44:50 •
Seite zuletzt aktualisiert: 18.07.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z