354. Delikat 1). Fein 2). Zart 3).

1) Delicate (exquisite). 2) Fine (polite, acute). 3) Delicate, tender.
1) Delicat (exquis). 2) Fin (poli, subtil). 3) Tendre.
1) Delicato (squisito). 2) Fino (sottile, gentile). 3) Tenero (molle, delicato).

Fein (Gegens. grob) ist zunächst das, was sich durch seine Dünne auszeichnet, z. B. ein feiner Faden, eine feine Nadel, ein feiner Regen, ein feines Sieb, feiner Duft usw. Da nun Körper, die dünn und spitz sind, sich leicht zum Zerteilen auch kleinerer Gegenstände benutzen lassen, so wird fein auf die Geistestätigkeit in der Bedeutung: scharf unterscheidend, auch die kleinsten Unterschiede und Abweichungen bemerkend (subtil) übertragen, z. B. ein feiner Geist, Geschmack, Kenner, Beurteiler usw. Dann heißt fein aber auch so viel wie: vorzüglich bis ins kleinste, durch keine Unebenheit, Härte, Geschmackswidrigkeit usw. verletzend, z. B. feine Lebensart, Sitten, Erziehung, feiner Ton, Anstand, ein feiner Mann, Knabe usw. Zart (Gegens. rauh) ist das, was weich, jedem Eindrucke von außen zugänglich ist, z. B. zarte Keime, Blätter, Früchte usw. Diese Bedeutung hat es auch in übertragenem Sinne. Ein zartes Gewissen wird durch das geringste Versehen beunruhigt. Ein feines Gefühl ist auch ein zartes, und umgekehrt, aber beides in verschiedener Rücksicht; das zarte Gefühl wird leicht erregt, und wir denken es uns also leidend; das feine Gefühl urteilt, wir denken es uns also tätig. Man legt daher den Sinneswerkzeugen Zartheit, dem Vermögen hingegen, die Gegenstände, die auf sie wirken, zu beurteilen, Feinheit bei. Der Gaumen ist zart, der Geschmack und die Zunge, sofern sie kostet, prüft und urteilt, fein. Das Ohr ist zart und das Gehör fein. Aus eben den Ursachen ist auch der Geschmack an den Schönheiten der Natur und Kunst fein und nicht zart, das Herz und das Gewissen zart und nicht fein. "Mit zartem Sinne alles Feine schlichtend." Schiller, Jungfr. I, 2. "Denn wo das Strenge mit dem Zarten, | wo Starkes sich und Mildes paarten, | da gibt es einen guten Klang." Schiller, Glocke. Delikat (lat. delicatus = was die Sinne verlockt) wird' in eigentlicher Bedeutung nur in bezug auf den Geschmack gebraucht, z. B. eine delikate Speise, ein delikates Getränk usw., dann aber uneigentlich von allem, was unangenehmen Eindruck auf ein zartes Gefühl vermeidet (rücksichtsvoll; Gegens. undelikat, rücksichtslos). Es ist nicht delikat, in einer Gesellschaft, der man so viel Achtung schuldig ist, daß man ihr ein zartes Gefühl zutraut, Dinge zu nennen, welche die Schamhaftigkeit beleidigen. Eine delikate Angelegenheit ist eine solche, die mit viel Vorsicht und Rücksichtnahme erledigt sein will. "Horaz scherzt mit Feinheit und lobt immer mit Delikatesse." So wie das Feine zart sein kann, so kann ebenfalls in verschiedener Rücksicht das Nämliche fein und delikat sein. Ein Lob kann fein und delikat sein, ja es wird eben durch seine Feinheit ein delikates Lob. Wer durch eine feine Erziehung ein zartes und feines Gefühl erhalten hat, dem ist es schwer, sich in allen Gesellschaften und in allen Lagen des geselligen Lebens wohl zu befinden. Der Mangel an Delikatesse (Zartgefühl) der Menschen, die ihn umgeben, wird sein zartes Gefühl alle Augenblicke beleidigen. — Auch das Wort heikel oder heiklich (verwandt mit ekel, das noch jetzt mundartlich auch eikel heißt) gehört hierher. Falsch ist die Form häklich, die sich daraus erklärt, daß man das Wort fälschlich an das oberdeutsche Häkel (Haken) und häkeln anschloß (z. B. Die Aufgabe ist häklich und kitzlich. Tieck). Heikel oder heiklig wird eine Sache genannt, deren Behandlung ein besonders rücksichtsvolles Erwägen aller Umstände und peinliche, alles bedenkende Genauigkeit erfordert. "Es ist eine heikle Aufgabe, Königen die Wahrheit zu sagen." Auch eine Person kann heikel oder heiklig genannt werden. Dann bedeutet das Wort: wählerisch, leicht zu verletzen und schwer zu befriedigen. Weigand bringt folgendes Beispiel bei: "Ein feiner Scherz, auf delikate Weise vorgebracht, gefällt auch dem zarten Gemüte; nur der Heiklige möchte auch hier zu tadeln finden."


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