Labyrinth

Labyrinth. (Gartenkunst) Mit diesem Worte, das von ägyptischer Herkunft zu sein scheint, bezeichnet man gegenwärtig in Lustgärten einen Platz, in welchem vielerlei Gänge so seltsam durch einander laufen, dass man sich schwerlich aus denselben herausfinden kann. Vor ein paar hundert Jahren waren die Labyrinthe in Lustgärten gemein; jetzt aber sind sie ziemlich in Verachtung gekommen.

 Der Name kommt von einem uralten ägyptischen Gebäude her, das so sehr weitläufig und mit so mannigfaltigen Gängen und Zimmern angelegt war, dass man sich nicht wieder herausfinden konnte, wenn man sich einmal darin zu weit vertieft hatte. Der Labyrinth in Creta, der durch den Theseus so berühmt worden, wird von den Alten auch für ein Gebäude ausgegeben, das Dädalus nach dem Muster des Ägyptischen soll aufgeführt haben. Es ist aber wahrscheinlicher, dass es eine sehr weitläufige Berghöle gewesen, wie die Baumannshöle in Deutschland ist. Wär es ein so maßives Gebäude gewesen, wie Plinius vorgibt, so lässt sich nicht begreifen, warum zu den Zeiten des Diodorus aus Sicilien keine Spur desselben mehr übrig gewesen. Also gehört die Erzählung der Griechen von dem von ihrem ersten Baumeister aufgeführten Labyrinth in Creta, unter die Mährchen, dergleichen sie sehr viele ausgebreitet haben, um ihrer Nation die Ehre der Erfindung aller Künste zuzuschreiben.1

 

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1 S. Künste.


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Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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