Morgengebet


O wunderbares, tiefes Schweigen,

Wie einsam ist's noch auf der Welt!

Die Wälder nur sich leise neigen,

Als ging' der Herr durchs stille Feld.

 

Ich fühl mich recht wie neu geschaffen

Wo ist die Sorge nun und Not?

Was mich noch gestern wollt erschlaffen,

Ich schäm mich des im Morgenrot.

 

Die Welt mit ihrem Gram und Glücke

Will ich, ein Pilger, frohbereit

Betreten nur wie eine Brücke

Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit.

 

Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,

Um schnöden Sold der Eitelkeit:

Zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd

Schweig ich vor dir in Ewigkeit.


 © textlog.de 2004 • 22.08.2019 02:34:57 •
Seite zuletzt aktualisiert: 06.08.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright