Beobachtung

Beobachtung (observatio) heißt allgemein die absichtliche Hinlenkung gespannter Aufmerksamkeit (s. d.) auf einen Gegenstand, dann, auf naturwissenschaftlichem Gebiete, die methodisch, d. h. nach bestimmten Gesichtspunkten und Regeln vorgenommene Untersuchung desselben, wie er sich unmittelbar darbietet, ohne daß an demselben Veränderungen vorgenommen werden. Daher definiert Kant: » Erfahrung methodisch anstellen heißt (allein) beobachten« (Gebrauch teleol. Prinzipien in der Philos., Kants Werke, herausgegeben von v. Kirchmann VIII, S. 147). Sobald man dagegen das Objekt der Forschung willkürlich verändert oder in gewisse zu seiner Beobachtung geeignete Lagen bringt, geht die Beobachtung in das Experiment über. Die verschiedenen Wissenschaften verhalten sich verschieden zu Beobachtung und Experiment. Der Astronom z. B. kann nur beobachten, nicht experimentieren, weil er zwar seine Instrumente umlegen und ändern, die Zeiten und Orte auswählen, aber die Gestirne selbst nicht künstlichen Veränderungen unterwerfen kann, während der Chemiker, Physiker, Botaniker, Zoologe usw. durch von ihm selbst ausgehende Änderung der Stoffe Experimente anstellt. Beobachtung und Experiment sind die Hauptmittel der exakten Forschung. Hierauf hat zuerst Bacon von Verulam (1561-1626) hingewiesen, der deshalb auch Vater der Naturwissenschaft genannt wird (De dignitate et augmentis scientiarum 1623, und Novum organum 1620). Vgl. auch Sénébier, Sur l'art d'observer et de faire des expériences 2. Aufl. Genf 1502, deutsch von Gmelin 1776. John Herschel, A preliminary discourse on the study of natural philosophy. Lond. 1831. John Stuart Mill, a system of Logic ratiocinative and inductive. London 1843, deutsch n. d. 5. Aufl. 1862. W. Wundt, System d. Logik, 2 Teile, 1881.


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