13) Expansionskraft der Atmosphäre

Von großer Wichtigkeit ist außer der elektrischen Beschaffenheit und dem verschiedenen Grade der Feuchtigkeit, noch die Expansionskraft der Atmosphäre oder der verschiedene Luftdruck. Wenn der Süd- oder Westwind plötzlich nach Nord oder Ost gegangen und der Barometerstand hoch ist, so werden gichtische und rheumatische Kranke viel über Schmerzen klagen, hysterische und hypochondrische dagegen sich viel besser befinden. Sinkt das Quecksilber im Barometer schnell, so werden die Anfälle bei Hysterischen, Epileptischen und Wahnsinnigen sich häufiger einstellen, auch Zahnschmerzen, Migräne, Magenkrampf, Koliken, Durchfälle werden bei Vielen nicht ausbleiben; sehr schlimm befinden sich dann die, welche die Keime der wahren Lungenschwindsucht, die schlimmen Tuberkeln in den Lungen und in anderen edlen Organen haben. Bei uns sinkt das Wetterglas in wenigen Stunden oft einen ganzen Zoll, dagegen in Spanien und auf den kanarischen Inseln höchstens in gleicher Zeit drei Linien, Es befinden sich dort die Schwindsüchtigen weit besser, als bei uns im Norden. — Bei einem hohlen Zahn erregt das Saugen mit der Zunge daran, wonach hier der Luftdruck geringer wird, oft schon Zahnschmerzen. Spastische Personen befinden sich am besten bei hellem Wetter mit hohem Barometerstand, wo der Luftdruck ein paar tausend Pfund stärker, als zu anderen Zeiten auf den Körper wirkt; auch die Bäder bekommen ihnen gut. Umgekehrt ertragen solche, die bei hohem Barometerstand sich am schlechtesten befinden: Schwindsüchtige, Wassersüchtige u. s. w. keine Bäder; denn der Druck des Wassers auf den Körper macht ihnen Angst, kurzen Atem, Erstickungszufälle. — Eine zu leichte und dünne Luft, wie z. B. auf hohen Bergen, oder zur Zeit eines bevorstehenden Gewitters, eines Sturmes, erregt schon bei Gesunden, zumal bei Kindern und zarten Frauenzimmern, bedeutende Zufälle: Beängstigung, aufgetriebene Venen, Herzklopfen. Schwächliche, spastische und hektische Personen, desgleichen solche, welche zu Schwindel und Schlagfluss disponieren, sind vorzüglich empfindlich vor zu leichter Luft; auch ereignen sich die meisten Sterbefälle der Lungensüchtigen und die meisten Apoplexien in den Äquinoktialzeiten bei niederem Barometerstand. Es ist eine Tatsache, dass schneller Wechsel im Luftdruck Krankheiten der Brust, ein gleicher Wechsel in der Temperatur Krankheiten des Kopfes, und ein schneller Wechsel in der Feuchtigkeit und Trockenheit der Luft Unterleibskrankheiten: Magenkrampf, Diarrhöe, Leber- und Milzleiden u. s. w. begünstigt, ja sie können durch solche ungewöhnliche Witterung in einzelnen Jahren so häufig vorkommen, dass sie epidemisch werden (s. Buzorini, Luftelektrizität, Erdmagnetismus und Krankheitskonstitution. 1841).


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