Erste Figur


In verhältnismäßig jungem Alter, beinahe 20 Jahre vorder Kritik der reinen Vernunft, hat Kant sich in einer kleinen, überaus radikalen Schrift mit der Schullogik seiner Zeit auseinanderzusetzen gesucht. Er hat später in seinen Vorlesungen über Logik selbst arg verwässert, was er in diesen zwei Druckbogen niedergelegt hatte, die den Titel führen: "Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren erwiesen". Der Titel stimmt nicht ganz genau zu dem Inhalt des Schriftchens. Eigentlich beweist Kant nur, dass die zweite, dritte und vierte Figur spitzfindig und überflüssig der ersten Figur hinzugefügt seien. Im letzten Paragraphen erst läßt er die Vermutung durchscheinen, dass es auch mit dem Werte der ersten Figur nicht viel auf sich habe.

Wenn so Aristoteles, der Begründer unserer Schullogik, und Kant, der Zertrümmerer aller Schulmetaphysik, darin übereinstimmen, dass alle Schlußfiguren ihre Bedeutung von der ersten Figur hernehmen, werde ich wohl im Folgenden mich umsomehr begnügen dürfen, an die erste Figur anzuknüpfen, was ich über diese Denkoperationen etwa noch zu sagen habe. So will ich denn an dieser Stelle Kant als eine Autorität zitieren. Ich hoffe zu zeigen, wie nahe Kant an meinen Grundgedanken herantritt und wie er ihn nur darum nicht mit Händen greift, weil er die Kritik der Vernunft nicht als eine Kritik der Sprache fassen konnte. Wobei ich nicht vergessen will zu erwähnen, dass kein Fachmann, sondern nach Hamann erst wieder der Grübler Hebbel auf diese Schwäche Kants hingewiesen hat. Er sagt (in einer Besprechung des Schleicherschen Buches über die deutsche Sprache): "Es ist bezeichnend, dass ein solcher Universalkopf wie Kant, der keinen Stein auf dem anderen ließ und jede Anschauung, die er im menschlichen Gehirn antraf, zum Begriffe zu verdünnen, jeden Begriff zur Anschauung zu verdicken suchte, bei dem Medium, dessen er sich bediente, keinen Augenblick verweilte und die Sprache auch nicht der flüchtigsten Prüfung unterzog."  


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Seite zuletzt aktualisiert: 30.05.2006 
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