Erziehung


Da ist es nun freilich gewiß, daß der einzelne Mensch in dem Erbe aller seiner Ahnherren einen Schatz besitzt, der ihm allein ermöglicht, in der Gegenwart zu leben, wie er lebt. Die Erziehung, das heißt die Mitteilung seiner Volkssprache, bringt den einzelnen Menschen in wenigen Jahren so weit, wie sein Geschlecht in Jahrtausenden gelangt ist. Es wird durch die Sprache die Mitteilung der Schätze erleichtert, welche die Erwachsenen einer jeden Generation besitzen. Und da diese Schätze in Erinnerungen bestehen, da die ungeheure Masse dieser Erinnerungen ohne die Registratur der Sprache kaum beisammen zu halten wäre, so ist die Sprache nicht nur für die Mitteilung des ererbten Wissens, sondern auch für die Vererbung selbst, für das Gedächtnis, von außerordentlichem Nutzen. Es war einmal eine wirklich ganz epochemachende Erfindung, das Gedächtnis an die Sprache zu knüpfen.


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