Beschlagnahmefreies Gedicht


Ich bin klein.

Mein Herz ist rein.

Soll niemand drin wohnen als nach Belieben auszufüllen allein.

Lieb Vaterland, magst ruhig sein,

fest steht, dass Ponds Creme das beste für die Haut ist.

Hipp.

Wer seine Obrigkeit läßt walten,

der bleibet immer wohlbehalten.

Hipp, hipp.

Wenn ich nur meinen Adolf hab,

bis an mein schwarz-weiß-rotes Grab.

Hurra.

Ein Veilchen stund an Baches Ranft,

so preußisch-blau, so lind und sanft;

da kam ein kleines Schaf daher,

jetzt steht da gar kein Veilchen mehr,

Hurra.

Ein Richter steht im Walde,

so still und stumm.

Er war republikanisch bis zuletzt,

drum haben sie ihn in den Wald versetzt,

und da steht nun der Richter,

auf seinem linken Bein,

ganz allein.

Lieb Vaterland (siehe oben).

Siehst du die Brigg dort auf den Wellen?

»Rechts müßt ihr steuern!« hallt der Schrei.

Die Republik kann nicht zerschellen,

Frau Wirtin hatte auch ein Ei.

Die Zeiten werden schön und schöner.

Ich denk an Männer, kühn und barsch:

An Noske, Geßler und auch Groener.

Lieb Vaterland (siehe oben).

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 29.03.1932, Nr. 13, S. 492.





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