Rumex acutus. Wilder Sauerampfer

Rumex acutus, wilder Sauerampfer, Mengelwurzel. Die Scheiben der frischen Wurzel führt Ösiander (l. c. p. 27) unter seinen Volksmitteln gegen Zahnschmerz auf. Unter den örtlichen Mitteln dagegen ist indessen Osianderen das liebste: drei bis vier ausgesuchte Stückchen Bertramwurzel, an das Zahnfleiseh zu legen und den Speichel, welcher dadurch hervorgelockt wird, oft auszuspucken (s. Paraguay-Roux und Radix Pyrethri). Zuweilen hilft schon das Riechen an Salmiakgeist, eine Prise Tabak, das Beissen auf ein Stück Kork, eine Viertel- bis eine Halbestunde lang sanft fortgesetzt (Gruithuisen), kaltes Wasser, in großer Menge getrunken und an den Zahn gehalten, — Tabakrauchen, ein Stück Zwiebel oder Knoblauch ins Ohr gesteckt, — das Räuchern des Gesichts mit Zucker, — die Rinde des Zahnwehbaums (Xanthoxylon Clava Herculis L.), welche den Speichel befördert, in den Mund genommen (ein nordamerikanisches Volksmittel); — Anderen hilft, wenn sie einen Siebenpunktkäfer (Gotteslämmchen, Coccionella septem punctata) zerdrücken und an das Zahnfleisch reiben, noch wirksamer ist der künstliche Magnet (s. o. Magnetismus). Alle diese örtlichen Mittel vermögen indessen den Zahnschmerz, wenn er in Folge der Erkältung und des auch in anderen Teilen, im Kopf, Ohr, Nacken, in den Gliedern, stattfindenden flüchtigen Rheumatismus herrührt — der häufigste Fall in unserem Norddeutschland, — nur auf kurze Zeit zu stillen. Er kehrt wieder, kommt bald in diesen, bald in jenen Zahn, oft schmerzen sämtlichc Zähne einer Seite, — das örtliche Zahnmittel hilft oft nur auf Minuten, man ist der öfteren Applikation überdrüssig, man wird verdriesslich, verliert das Vertrauen an die gerühmte Wirkung desselben u. s. w. — Unter solchen unangenehmen Stunden und schlafloser Nacht habe ich aus eigener trauriger Erfahrung folgende allgemeine Kur noch für die beste erprobt:

1) Vorläufig zur dauernden Stillung der Zahn- und Kopfschmerzen enthalte man sich des Gebrauchs aller jener örtlichen Mittel, welche nur so kurze Zeit wirksam waren. Dagegen wende man ableitende Mittel: Senf- oder Meerrettichteige, kochendes Wasser mit Kompressen an die Waden, auf beide Oberarme, — ein recht heißes Fußbad von Salz, Bächenasche und Wasser an; noch wirksamer ist ein Klistier von kaltem Wasser und Kochsalz, ohne Öl. Es bewirkt binnen ein bis zwei Minuten starke Leibesöffnung und etwas Afterschmerz (Tenesmus). So wie dieser sich einstellt, ist der Zahnschmerz oft auf immer weg.

2) Um aber seine Wiederkehr zu verhüten oder bei den ersten Anzeichen davon sie zu hemmen, muss gegen die Grundursache: den rheumatischen Krankheitsprozess, gewirkt werden. Hier sind warme Getränke: Tee mit Rum, einige Gläser Glühwein, Punsch, Grog, selbst bis zur Berauschung, — dabei warmes Verhalten im Bett, anzuraten.

3) In einem desperaten Fall, wo ich selbst schon 24 Stunden an heftigsten rheumatischen Schmerzen, bald in den Zähnen, im Ohr, bald im Nacken, in der Schläfe gelitten, nahm ich gegen vier Uhr Morgens, nachdem ich eine schlaflose Nacht durchgewacht hatte, 30 Tropfen Laudanum liquidum Sydenhami, und als diese nach einer Stunde nur etwas Ruhe, aber noch keinen Schlaf brachten, nahm ich noch 30 Tropfen. Hierauf versank ich in einen sechsstündigen sanften Schlaf, mit sehr starker Transspiration. Ich erwachte gesund; denn alles Krankhafte war ausgeschwitzt. Jetzt trank ich recht starken Kaffee, wodurch die Schläfrigkeit und die überflüssige Nachwirkung des Opiums völlig verschwand. Unter solchen Umständen, ja selbst gegen den akuten Rheumatismus, ist der Mohnsaft ein wahres Remedium divinum! Man muss aber ja keine kleine Dosen, sondern große und zwar so lange nehmen, bis jeder Schmerz verschwunden ist und sich die Müdigkeit einstellt. Dass ich nicht der einzige bin, welcher das Opium als das herrlichste Mittel im hitzigen Rheumatismus (NB. bei Vollsaftigen muss ein Aderlass vorhergehen) kennt, brauche ich hier nicht zu bemerken. Cazenave, Bennewitz, Hopc u. A. gaben es mit demselben günstigen Erfolge (s. Med. Zeit. v. Verein für Heilkunde in Preussen. 1836. N. 28).


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