Oleum Petrae. Petroleum, Steinöl

Oleum Petrae, Petroleum, Steinöl. Dieses brenzlige Öl ist, äußerlich eingerieben, gegen Gliedersteifheit und Gichtknoten, besonders aber gegen alte Frostbeulen, welche dunkelrot von Farbe und fast ganz unschmerzhaft sind, ein beliebtes und wirksames Volksmittel. Bei aufgerissener Haut und Frostbeulen ist Sundelin's Frostsalbe zu empfehlen. Sie besteht aus Petroleum, anderthalb Quäntchen, Kampfer ein halbes Quäntchen, und anderthalb Lot einfacher Wachssalbe (Unguentum cereum simplex). Letztere wird so bereitet, dass man einen Teil Wachs schmilzt und zwei Teile Baumöl zusetzt. — Gegen Frostbeulen gibt es viele Hausmittel, welche indessen nur für spezielle Fälle der Art passen. Wir führen sie hier, indem wir auf einige schon oben gedachte zugleich verweisen (s. Alaun und Gurken), einzeln auf, und bezeichnen die Bedingungen ihrer zweckmäßigsten Anwendungsweise. 1) Sind in der Winterkälte Glieder des Körpers: Hände, Füße, Ohren, Nase u. s. w. vor Frost erstarrt, so erscheinen sie anfangs röter, später weißer, als die übrige Haut, auch schmerzen sie sehr. Hier ist das Reiben mit Schnee das beste Mittel. — Auf den Strassen in Petersburg sieht man zur Winterszeit nicht selten, dass einzelnen Einhergehenden die Nase weiß wird. Der gemeine Russe ergreift alsdann eine Handvoll Schnee und reibt unaufgefordert einer solchen Person, gleichviel wess Standes und Ranges, die weiße Nase, was man für eine Gefälligkeit ansieht, weshalb man sich dafür zu bedanken pflegt Das Reiben mit Schnee muss, fern vom warmen Ofen, so lange geschehen, bis die Wärme im erfrornen Teile wieder zurückgekehrt ist und die Haut sich wieder rötet. Auch das Eintauchen in kaltes Wasser, worin man Stücke Eis gelegt oder Schnee, ist hilfreich. Überhaupt ist das kalte, dem Gefrieren nahe Wasser eines der besten Mittel gegen frische Frostbeulen. Man taucht den leidenden Teil fünf- bis zehnmal des Tages einige Minuten lang in dasselbe, bis die Frostbeule verschwunden ist, welches gewöhnlich innerhalb vier Tagen geschieht. Jedesmal muss man die Teile nach Anwendung des Wassers sorgfältig abtrocknen und hinterher mit Branntwein oder Kampferspiritus einreiben. 2) Umschläge von faulen Äpfeln, von geriebenen frischen Rüben, von zerquetschten Erdbeeren (ein schweizerisches Volksmittel), eine Salbe aus Eis und geschmolzenem Speck, das Eintauchen des Gliedes, mehrere Mal täglich, in eine Abkochung von Rübenschalen, der man etwas Essig zusetzt, die Essigdämpfe, an die durch Frost entzündeten Ohren und Nase geleitet, — der warmgemachte Essig, mit Kompressen aufgelegt — ein Mittel der englischen Matrosen, — das Räuchern der erfrornen Hände mit Schwefel, — das Reiben der leidenden Teile mit einer durchgeschnittenen Zitrone, — alle diese Hausmittel sind gegen frische, noch nicht 14 Tage alte Frostbeulen gerühmt worden (s. Osiander l. c. S. 607-609). Bei frischen Frostbeulen kann man, nachdem sie ein paar Tage mit kaltem Wasser behandelt worden, auch ein Waschwasser aus zwei Lot Chlorkalk, in zwei Tassen Wasser gelöst, — ist der Teil sehr geschwollen und schmerzhaft, Bleiwasser — mit Kompressen übergelegt, anwenden. Der Teil muss hinterher vor Kälte wohl geschützt werden. Sind z. B. die Frostbeulen an den Händen, so trage man Tag und Nacht feine lederne Handschuhe. 3) Sehr wirksame Mittel gegen Frostbeulen sind noch die Schalen der reif gewordenen und getrockneten Gurken (s. d. Artikel), desgleichen Umschläge von Alaun, Brot und Essig (s. o. Alaun). 4) Gegen aufgebrochene, schmerzhafte, eiternde Frostbeulen ist das Verbinden mit einer Salbe aus Eidotter und Perubalsam zu gleichen Teilen, auf Charpie gestrichen, und ein Bleipflaster übergelegt, am besten. Alle fette Salben sind hier schädlich. 5) Gegen nicht eiternde, veraltete, schmerzlose Frostbeulen an Händen und Füßen ist eine Mischung aus zwei Lot Steinöl und einem Lot kaustischen Salmiakspiritus, womit dreimal täglich eingerieben wird, sehr zu empfehlen. 6) Am sichersten schützt man sich vor Frostbeulen, wenn man sich früh gewöhnt, sich Winter und Sommer Hände, Füße, noch besser den ganzen Körper vom Kopf bis zu den Füßen, täglich mit kaltem Wasser zu waschen, Flanellhemde, Pelzhandschuhe, Wärmflaschen vermeidet, die in der Kälte erstarrten Hände nicht ans Feuer oder in die Nähe des heißen Ofens bringt, sondern durch Reiben erwärmt, und auf Reisen bei hohen Kältegraden Gesicht, Hände und Füße mit irgend einem Fett: Gänse-, Schweinefett, Hirschtalg, Baumöl, mit Haar- oder Lippenpomade u. s. w. einreibt, die bloßen Füße mit einer doppelten Lage feinem Schreibpapier umgibt und dann den Strumpf darüber anzieht. Noch besser sind Socken von feinem Wachstaffet, auf den bloßen Füßen getragen. — Die russischen Soldaten hüllen sich in Sibirien Nase und Ohren in Pergament, welches sie mit Gänsefett bestreichen, und setzen sich so geschützt der ärgsten Kälte aus. Auch ist das Tragen einer vollen Maske aus Pappe, wie man sie auf Maskenbällen sieht, auf Reisen im Winter sehr gut. Doch muss auch hier vorher das Gesicht gehörig mit Öl, Pomade oder sonstigem Fett eingeschmiert werden. 7) Fährt mau in großer Kälte zu Wagen, so helfen oft weder Pelze, noch Fußsäcke; alsdann ist es am besten, abzusteigen und eine Strecke Weges, bis zur Ermüdung und Erwärmung des Körpers, neben dem Wagen zu gehen oder zu laufen. 8) Den Frost in den Füßen verhüten am besten Socken von Wachsleinwand, oder über den ganzen Fuß reichende Schweins- oder Rindsblasen, und, sobald es Winter wird und schon früher Frostbeulen da waren, Einreibungen von grüner Seife, einen Teil, und Terpentinöl, drei Teile. 9) Einem Lehrling in einer Materialhandlung — so erzählt Osiander (l. c. p. 611), — der an Frost in den Händen litt, die davon angeschwollen und aufgesprungen waren, riet ein Bauer: Hühnermist, Buchenasche und Eichenlaub zusammen zu kochen und so heiß als möglich aufzulegen. Er versichert, danach in wenigen Tagen von seinem lästigen Übel befreit worden zu sein, gegen welches er lange vergebens Hilfe gesucht habe. — Ein anderes, sowohl gegen frische Verbrennungen, als auch gegen frische und alte Frostbeulen wirksames Mittel ist warm und flüssig gemachter Tischlerleim, dick mit einem Pinsel aufgetragen.


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