Fumaria officinalis. Erdrauch

Fumaria officinalis L., gemeiner Erdrauch, wilde Raute, Taubenkropf. Das frische Kraut dieser kleinen, rot blühenden, in Kornfeldern wild wachsenden, bitter schmeckenden Pflanze wird in leichten Fällen von Magenverschleimung und Magenschwäche, gegen Harngries und weißen Fluss als Hausmittel sehr gelobt. Man zerschneidet und verspeiset es, wie die Gartenraute, auf Butterbrot. Auch bedient man sich des frisch ausgepressten Saftes, Morgens vier bis sechs Lot, mit warmer Bouillon genommen. Noch angenehmer nimmt sich das auf den Apotheken vorrätige Extrakt (Extraktum Fumariae), welches ein leicht verdauliches, herrliches, magenstärkendes Mittel ist, zumal in folgender Verbindung:

Nr. 80. Nimm: Fumaria-, Rauten- und Carduebenedict-Extrakt, von jedem ein Lot, guten Weißwein eine Flasche. Hiervon trinkt man täglich ein- bis zweimal ein kleines Weinglas voll, und setzt die Kur vier bis sechs Wochen lang fort.

Tabernomontanus (l. c. p. 89) sagt, dass die alten Ärzte den Erdrauch mit Molken gemischt, auch mit Sennesblättern und Rhabarber gegen Leberstockungen und Gelbsucht mit Nutzen verordnet hätten; auch gegen den Aussatz und andere schlimme Hautübel: Krätze, Flechten etc. soll man den ganzen Monat Mai hindurch jeden Morgen nüchtern einen Becher voll warmer Ziegenmilch mit dem Safte des Taubenkropfs nützlich gefunden haben.

"Erdrauchsaft ist eine gebenedeite Arznei denen Menschen, welche mit den Pocken oder Franzosen beladen sind, so sie dessen einen Monat bis vierzig Tage, alle Morgen und Abend vier Lot, jedesmal drei Stunden vor dem Essen, trinken. Mit dieser Arznei ist einem Goldschmidt und einem Schreiber, welche von der Krankheit angesteckt worden, geholfen." — Ein Lot Erdrauchsaft und zwei Lot Honigwasser des Morgens und des Abends getrunken, vertreibt schnell bei Damen alle Ausschläge im Gesicht; doch muss man die Kur vier Wochen fortsetzen.

Tabernomontanus lobt den frischen Saft des Erdrauchs äußerlich gegen Augenschwäche, sowie gegen Hautausschläge. Man nimmt Nussöl und Erdrauchsaft, von jedem ein Pfund, scharfen Weinessig ein Lot, lässt dieses über einem gelinden Kohlenfeuer so lange sieden, bis der Saft und der Essig sich verzehrt haben, was man daran erkennen kann, dass ein wenig davon, mit einem Löffel ins Feuer geschüttet, nicht mehr zischt; alsdann seiht man es durch und setzt zehn Lot Wachs hinzu. Ein anderes Mittel, welches derselbe Schriftsteller gegen Krätze, Flechten etc. rühmt, besteht aus acht Lot Erdrauchsaft, zwei Lot Essig und eben so viel Milchrahm, vier Lot Wallnussöl und zwei Lot gestoßenen Ofenruß. Man macht alles zusammen in einem Mörser zu einer Salbe und bestreicht den Hautausschlag damit in einem Bade.


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