Legende


Doch ist er fort. Sie hat ihn mitgenommen

beim Abschied ihrer selbst. Ich stand beklommen.

 

Wie alles Licht in Rauch und Nebel schwand –

ein armes Hündchen plötzlich vor mir stand.

 

Sah zu mir auf und hatte ihren Blick.

Ließ sie mir ihn als Unterpfand zurück?

 

Und wie es wimmernd immer zu mir schaut,

so war's ihr Schmerz, so war's ihr Klagelaut.

 

Ihr Abschied war's und war ihr Wiedersehn –

die Zeit bleibt stehn, ein Wunder ist geschehn.

 

Dies Auge, diesen Ton hab ich gekannt!

Vergehendes ist in die Zeit gebannt.

 

Die lustverlorne Göttin ward ein Schall;

er rief mich aller Wände aus dem All.

 

Nun ruf ich ihn zurück; ich warte hier –

da ruft er mich verwandelt aus dem Tier.

 

Wir kennen uns, ich und die Kreatur –

es ist ein Wunder: glaubet, glaubet nur!

 

Die letzte Spur vom Glück ist neues Glück.

Das Echo ging, ein Echo blieb zurück.

 

Leid klagt um Lust, ich klage um das Leid;

nun ist es da, so ist die Lust nicht weit.

 

Verlorner Lust verlorne Klage klingt.

Ich höre nur, daß jetzt ein Engel singt.

 

Verlorner Lust verlorner Ton ertönt.

Ich sehe eine Seele, die sich sehnt

 

und wiederkehrt. Der Abschied ist ein Spiel.

Sie ging und suchte, bis sie hin zum Ziel,

 

vorbei der Menschheit, irdisch unerkannt,

den Weg durch ein verlornes Hündchen fand.


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