Der brave Schiffer


Der Sturm wollt uns zerschmettern,

Was morsch war, lag zerschellt,

Es schrieb mit feur'gen Lettern

Der Herr, und sprach in Wettern

Zu der erschrocknen Welt.

 

Durch wilder Wogen Spritzen

Vorüber manchem Riff,

Wo auf Korallenspitzen

Die finstern Nornen sitzen,

Flog da das Preußenschiff.

 

Das war von echtem Kerne;

Gedankenvoll die Wacht

Schaut durch die wüste Ferne

Zum königlichen Sterne,

Der leuchtet aus der Nacht.

 

Und ob sie Nebel decken,

Was groß und heilig war,

Lenkten da aus den Schrecken

Gewaltig die treuen Recken -

Du mitten in dieser Schar.

 

Da sah man wohl den schlanken

Wald kühner Masten sich

Zum Himmel pfeilernd ranken!

Du lehntest voll Gedanken

Auf deine Harfe dich.

 

Bald mächtiger, bald leise,

Mit wunderbarem Klang,

Zogst du Gesangeskreise,

Daß eine tiefe Weise

Das wilde Meer bezwang.

 

Und Sturm und Nacht verzogen,

Schon blitzt' es hier und da,

Das Land stieg aus den Wogen,

Und unter dem Friedensbogen

Die alte Victoria. -

 

Fahr wohl! wie Adlerschwingen

Wird in der Zeiten Schwung

Dein Ringen und dein Singen

Durch deutsche Herzen klingen,

So bleibst du ewig jung!


 © textlog.de 2004 • 18.09.2019 15:17:55 •
Seite zuletzt aktualisiert: 06.08.2005 
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