Nachtfeier


1810

 

Decket Schlaf die weite Runde,

Muß ich oft am Fenster lauschen,

Wie die Ströme unten rauschen,

Räder sausen kühl im Grunde,

Und mir ist so wohl zur Stunde;

Denn hinab vom Felsenrande

Spür ich Freiheit, uralt Sehnen,

Fromm zerbrechend alle Bande,

Über Wälder, Strom und Lande

Keck die großen Flügel dehnen.

 

Was je Großes brach die Schranken,

Seh ich durch die Stille gehen,

Helden auf den Wolken stehen,

Ernsten Blickes, ohne Wanken,

Und es wollen die Gedanken

Mit den guten Alten hausen,

Sich in ihr Gespräch vermischen,

Das da kommt in Waldesbrausen.

Manchem füllt's die Brust mit Grausen,

Mich soll's laben und erfrischen!

 

Tag und Regung war entflohen,

Übern See nur kam Geläute

Durch die monderhellte Weite,

Und rings brannten auf den hohen

Alpen still die bleichen Lohen,

Ew'ge Wächter echter Weihe,

Als, erhoben vom Verderben

Und vom Jammer, da die dreie

Einsam traten in das Freie,

Frei zu leben und zu sterben.

 

Und so wachen heute viele

Einsam über ihrem Kummer;

Unerquickt von falschem Schlummer,

Aus des Wechsels wildem Spiele

Schauend fromm nach einem Ziele.

Durch die öde, stumme Leere

Fühl ich mich euch still verbündet;

Ob der Tag das Recht verkehre,

Ewig strahlt der Stern der Ehre,

Kühn in heil'ger Nacht entzündet.


 © textlog.de 2004 • 17.12.2018 03:09:37 •
Seite zuletzt aktualisiert: 06.08.2005 
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